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Nov
19

Nachlese zu #unibrennt

Bildungsdemo Aachen
Protestierende Studenten
(cc-by-sa von Felix Bosseler)

Ahoi werte Leser!

Ich möchte heute dann zum zweiten Mal über das Phänomen #unibrennt schreiben. Bereits vor zwei Wochen habe ich über die Proteste in Österreich geschrieben, habe darüber geschrieben, dass die Gründe eben auch im digitalen Graben liegen, der in unserer Gesellschaft herrscht und dass die Universitäten und die Politik die Zeichen der Zeit verschlafen. Am Ende forderte ich die Studenten auf, dem Aufruf der Östereicher zu folgen und auch deutsche Universitäten zu besetzen. Mittlerweile ist das passiert, massenweise.

Gut,bestimmt nicht wegen meinem Aufruf, trotzdem freut es mich ungemein. Selbst in Oberfranken brennen mit Bamberg, Coburg und Bayreuth drei Universitäten.

Und dank dieser breiten Front der Besetzungen berichtet die Presse auch endlich mal etwas genauer über dieses Thema.

Einen extrem lesenswerten Artikel habe ich bei der Zeit gefunden. Sie titelt Wie man Studenten apathisch macht und schreibt:

Wie macht man junge Leute apathisch? Zeit verknappen und fein gemahlenen Stoff in Köpfe füllen, die sich dafür nach der Klausur nicht weiter zu interessieren brauchen. Bulimie lernen. So wird alltägliche Verwahrlosung produziert.

Bulimie lernen, ist doch ein wunderschönes Bild und triff ins Schwarze, auch wenn der Schreiberling es nicht selbst erfunden hat. In einer Zeit, in der man blitzschnell im Internet jedes Fachwissen nachschlagen kann, notfalls per 24h-Bestellung durch ein Buch, ist ein Lernen reinen Fachwissens eigentlich relativ sinnfrei.

Sicher, man braucht viel Fachwissen im späteren Leben, aber hier ist genau das Problem beim Bulimie-Lernen, das im Bachelor-System praktiziert wird. Es bleibt ja eben nicht viel hängen. Zumindest ist das der Tenor meiner Gespräche mit den besetzenden Studenten. Auswendig lernen ersetzt Bildung, das kann kaum gut gehen.

Die Missstände sind so offensichtlich, dass die besetzenden Studenten kaum Gegenwind erhalten. So schreibt SPON unter dem Titel Studenten rebellieren gegen Bildungschaos

Die Strategie scheint klar: Bund und Länder, Rektoren und Professoren wanzen sich kollektiv an die rebellierenden Studenten heran. Sie versuchen, so den Protest zu ersticken und zugleich auf die Versäumnisse der anderen zu deuten.

Das Problem ist eben, dass für jeden die Schuld woanders liegt. Alle sind verantwortlich, aber keiner will es gewesen sein. So ist das eben manchmal.

Natürlich kann man auch Kritik an den Protesten lesen. So beschwert sich die Süddeutsche über Dürftige Parolen und schreibt:

Als ob es irgendwo, vielleicht bei Bildungsministerin Schavan oder bei Margret Wintermantel in der Hochschulrektorenkonferenz, einen geheimen Knopf gäbe mit der Aufschrift „Bessere Bildung“. Und Schavan und Wintermantel schlichen drumherum wie die Katzen und trauten sich nicht, ihn zu drücken. Oder, horribile dictu, verweigerten dies absichtlich.

Da hat sie nicht unrecht, allerdings setzen die Studenten mit ihren Protesten auch Dinge durch. So hat die Hochschule Coburg Zugeständnisse gemacht, welche schon immer leicht möglich waren. Warum es dafür eine Raumbesetzung der Studierenden braucht, ist zumindest mir schleierhaft.

Zeit Online berichtete gestern Abend noch unter dem Titel Gegen Leistungsdruck und Studiengebühren. Sie fragt sich dabei allerdings, wie lange die Luft wohl reicht:

Offen ist jedoch, wie lange die Kraft auch über den heutigen Aktionstag hinaus reicht. Denn nur ein Bruchteil der Studierenden unterbricht den Unialltag für die Protestversammlungen, Plakate malen und Demonstrationen. „Viele sitzen nur zu Hause und solidarisieren sich nicht“, klagt die 22-Jährige. „Politisches Engagement schreckt viele ab.“ Auch die Angst vor gewaltsamer Räumung macht sich breit oder vor Bußgeldern, wie sie die Polizei vor Monaten gegen Demonstranten in Düsseldorf verhängte.

Na, ich hoffe doch noch lange. Es gibt noch einiges zu verbessern! Ich persönlich wünsche den Besetzern auf jeden Fall noch viel Erfolg.

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  1. PIRATEN live! sagt:

    Nachlese zu #unibrennt
    Ich möchte heute dann zum zweiten Mal über das Phänomen #unibrennt schreiben. Weiterlesen…

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