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Feb
20

Was ein Privatgespräch so alles kosten kann

Bild von Jürgen Rüttgers
Jürgen Rüttgers – fotografiert
von Martin Möllercc-by-sa

Ich wünschte ich hätte 20.000 Euro. Das ist nämlich der Preis für einen 15m² großen Stand auf dem Parteitag der CDU in NRW. Inklusive ist die – für 6000€ ebenfalls separat erhältliche – private Gesprächsrunde Audienz beim Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers.

Das berichten zumindest SPON, die Welt und noch einige mehr.

Ich finde die Sache mit dem Stand schon ordentlich daneben und bin schon etwas schockiert, dass laut Welt das ganz normal ist.

Es ist üblich, dass Parteien Werbeflächen an Sponsoren vermieten. Das hilft ihnen, ihre Parteitage zu finanzieren. Neu wäre es, wenn Unternehmen auch vertrauliche Unterredungen mit Regierungsmitgliedern erwerben können. Das soll bei der CDU in Nordrhein-Westfalen der Fall sein. Eine pikante Angelegenheit.

Jetzt weiß ich, warum wir Piraten uns keine Parteitage leisten können, wir sollten in Zukunft einfach Stände auf unseren Parteitage verkaufen. Vielleicht an die Loscher KG oder so. Im Ernst, was machen diese großen Parteien denn bitte schön mit dem Geld, das sie einnehmen, dass sie das wirklich nötig haben? Die CDU kassiert allein vom Staat jedes Jahr 42 Millionen Euro.

Und das Verkaufen von Plätzen auf dem Parteitag für 20.000 Euro scheint mir nichts weiter als eine verschleierte Spende zu sein. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass so 15m² Stand solchen Gegenwert haben. Was bekommt man denn, neben der Privataudienz?

Die CDU Nordrhein-Westfalen bietet Ihnen wieder die Möglichkeit, sich mit Ihrem Unternehmen auf unserem Landesparteitag zu präsentieren und mit Politik und Medien in einen Dialog zu treten

Ahja. Ok. Ich bezweifle immer noch, dass die Stände das wert sind. Die Medien werden sich für die Firmen schlicht nicht interessieren, und wenn ich als Firma mit einem Politiker in Kontakt kommen möchte, dann mache ich das doch einfach. Ich bleibe dabei, das klingt für mich nach Verschleierung von Spenden.

Und die Sache mit der Privat-Audienz setzt der ganzen Sache noch die Krone auf. Dafür zu bezahlen, dass man mit seinem Ministerpräsidenten reden kann. Sind wir wirklich schon so weit? Ich hoffe, wir müssen nicht bald auf die Knie fallen, wenn man die gewählten Volksvertreter trifft. Es scheint, als hätten auch andere Parteien so ihre Könige.

Und warum ich mir jetzt wünsche, ich hätte 20.000 Euro? Ich würde mir so einen Platz kaufen und ihn der Piratenpartei NRW und Nico Kern (Spitzenkandidat) spenden. Warum? Was für Firmen kaum gilt, sollte für uns durchaus gelten.

Politisch interessierte Presse wäre da, die Parteifarben auf den Flaggen würden ja durchaus zueinander passen. Die Audienz funktioniert man einfach zur Pressekonferenz um. Berichterstattung bundesweit und bestimmt in jedem noch so kleinen Blättchen. Die CDU wäre obendrein blamiert bis auf die Knochen, und wenn man zu der Privataudienz auch noch Fragen von Wählern mitnimmt, hätte das Ganze einen schönen Sinn:

Piratenpartei bezahlt Gebühren, damit Wähler dem Ministerpräsidenten Fragen stellen können„! Das wäre mal eine Pressemitteilung, die ich mit Freuden verfassen würde.

Alles zum einmaligen Preis von 20.000 Euro.

Dummerweise hab ich die 20.000 Euro nicht und die Piratenpartei in NRW hat für den gesamten Wahlkampf gerade mal 60.000 Euro zur Verfügung. Nur um mal das ganze in Relationen zu setzen.

Und so müssen wir uns wohl zurücknehmen und das Feld den Lobbyisten Firmen überlassen. Schade, irgendwie!

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