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Feb
21

Mein Bericht von der schönen Marina aus Kassel

Wie versprochen berichte ich euch an dieser Stelle von meinen Besuch der Marina 2010 in Kassel. Die Berichterstattung hatte sich leider aufgrund anderer Verpflichtungen, zum Beispiel des piratigen Aschermittwochs, etwas verschoben.

Mein Fahrer und ich kamen leider etwas verspätet in Kassel an, was allerdings nicht so schlimm war, da der erste Abend neben dem Bezug des Zimmers zum Großteil aus Hände schütteln und lockeren Unterhaltungen bestand. Vor allem mit Piraten aus dem LV Hamburg, Bremen und BzV Tübingen ergab sich für mich die Möglichkeiten des Austausch. Natürlich habe ich mich auch mit den ganzen aus Bayern angereisten Piraten unterhalten, man sieht sich ja nicht alle Tage!

Am nächsten Tag wurde ich um sechs Uhr früh geweckt von Piraten die sehr spät heimgekommen sind. Da ich nicht mehr einschlafen konnte bin ich zum Frühstück getappt, wo sich die Frühaufsteher mit den Langlaufbleibern getroffen haben. Bei dieser illustren Runde wurde eine schöne Stilblüte geprägt: „Ich wünschte 90% von dem was du sagst würdest du als deine Privatsphäre betrachten„. Wer das zu wem gesagt hat verschweige ich mal aufgrund der Privatsphäre 😉

Nach Frühstück und Kaffee gab es eine Vorstellungsrunde, bei der ich die netten Kollegen des BzV Stuttgart und noch weitere Piraten kennenlernen durfte. Auch hier wurde eine Stilblüte erschaffen: „Ich hab das mal ganz Transparent aufgeschrieben, ich kann es nur nicht mehr lesen“ .

Den anschließenden Vortrag über den NRW Wahlkampf (Download Video 491MB) habe ich so halb geschwänzt und arbeitete ein wenig mit anderen an der Pressemappe, was mich allerdings nach kurzer Zeit aufgrund einer zu hohen Alpha-Männchen Quote etwas nervte.

Dadurch habe ich das Ende der NRW-Präsentation erlebt, genauer gesagt die Aktion „Ein Stück Freiheit„. Die Idee der NRWler ist, Plakate von Künstlern, Bürgern oder wer auch immer möchte, bemalen zu lassen und dann zu verkaufen. Ich bin bei der Idee eher skeptisch was das Ergebnis angeht, aber ich denke durchaus, dass man damit des Öfteren mal in der Lokalpresse landen kann. Auf eine Idee hat es mich auch gebracht, dazu aber später.

Danach bin ich natürlich in den Vortrag zu Landessatzungen gegangen. Dort haben sich wohl die Satzungsfetischisten aus ganz Deutschland getroffen und über Landessatzungen philosophiert. Das ganze ging auch sehr schnell von einem Vortrag in ein Arbeitsgruppenfeeling über. Es wurde auch auf die Bundessatzung abgeschweift und angemerkt, dass die Bundessatzung durchaus noch Arbeit verdient hat. Die zwischendurch eingeworfene Idee, den Bundesvorstand zu vergrößern, schien Anklang zu finden. Das muss nichts heißen, die Runde war extrem klein.

Die nächste Veranstaltung, die ich besucht habe, war die über innerparteiliche Demokratie (Download Video 871MB). Leider konnte ich dort nicht den Transparenzkodex der Mittelfranken bewerben, da die Berliner, welche Liquid Feedback vorstellten, bei ihrem Vortrag schon ordentlich überzogen hatten. Aber ich bin schon vorher und auch später noch Kopien losgeworden und konnte den einen oder anderen auf die Idee aufmerksam machen. Ich persönlich bin von Liquid Feedback immer noch nicht überzeugt, weil ich glaube, dass das System zu kompliziert ist, aber es werden ja jetzt noch mehr Landesverbände testen, vielleicht werde ich ja positiv überrascht.

Von Michael Vogel wurde danach ein schneller Überblick darüber gegeben, was andere Landesverbände machen. Interessant fand ich den Landesverband Niedersachsen, der eine Software einsetzt, die eigentlich gut zu meinem gewünschten Urabstimmungssystem passen würde. Ich bin dann auch gezielt eine Visitenkarte losgeworden, aber bisher habe ich daraus noch keine Mail bekommen, ich denke ich muss da nochmal nachhaken.

Der dritten Vortrag, den ich an diesem Abend besucht habe, war über das Selbstverständnis Bund/Länder (Download Video 622MB). Dort hat es mir Zeitweise etwas den Atem verschlagen, da es scheinbar Piraten gibt, die unsere Partei weitaus gleichgerichteter aufbauen möchten als es die SPD oder die CDU z.B. schon sind. Es ging ums Subsidiaritätsprinzip, also die programmatische Unabhängigkeit der untergeordneten Verbände, welches ich für absolut richtig halte und dass ich dementsprechend auch versucht habe zu verteidigen.

Nachdem ein kleiner Flamewar zwischen NRW und Berlin umschifft wurde, ging es dann wieder um die Bundessatzung, z.B. dass immer noch ein Kommentar dazu fehlt. Auch der Bundesparteitag wurde kurz gestreift, wobei ich im Allgemeinen wirklich enttäuscht war, dass der Organisator des Bundesparteitages nicht in Kassel anwesend war. Dadurch war Bingen das ganze Wochenende leider kaum ein Thema. Bei der jetzigen Vorbereitung und dem Tempo, dass hier an den Tag gelegt wird sehe ich den Bundesparteitag inhaltlich mehr und mehr in einem Chaos enden.

Neu gestaltetes Wahlplakat
Aktion Vertraue keinem Aaron

Nach dem Essen und einer Manöverkritik ging es dann abends wieder raus und man hatte wieder Gelegenheit, sich etwas abseits kennenzulernen. An dem Abend habe ich z.B. Wolfgang Dudda kennen gelernt und die Chance gehabt mich mit Dirk aus Mittelfranken ausführlich zu unterhalten. Auch mit den netten Piraten aus Baden-Württemberg habe ich mich weiter vernetzt, wobei ich mich auch zu dem Versprechen hab hinreissen lassen, auf Wunsch bei Bezirks- oder Landesparteitagen als Versammlungsleiter, Wahlleiter oder Wahlhelfer Verantwortung zu übernehmen damit sich die lokalen Piraten mit Politik beschäftigen können.

Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück wieder um den Landtagswahlkampf in NRW. Gut ich habe nebenbei angefangen eine Pressemitteilung zu Frau Merk zu schreiben. Das gelang mir aufgrund des Schlafdefizit wohl nicht optimal, aber zum Glück haben andere Piraten daran weitergearbeitet. Ebenfalls an dem Morgen wurde noch eine nette Aktion gestartet: „Vertraue keinem Aaron“. Ich fand es schön, dass jemand die Idee umgesetzt hat und hab natürlich unterschrieben. Ich hoffe wirklich, dass dieses Plakat für NRW den ein oder anderen Euro auf Ebay bringt, dann bringt dieses Aaron Desaster wenigsten etwas Gutes.

Danach war ich noch im Treffen der Vorstände, welches ich persönlich wegen der „erweiterten Vorstellungsrunde“ etwas langwierig und unproduktiv empfand. Es wurde allerdings auch über die Vorständeliste gesprochen und es herrschte unter den Anwesenden breiter Konsens, dass die Vorständeliste nicht mehr dazu genutzt werden soll um über Politik zu diskutieren, sondern nur noch dazu dienen soll, Organisatorisches zu besprechen und wichtige Informationen die LV übergreifend von Relevanz sind, zu verbreiten. Kurz darauf wurde über das Forum und dessen Umzug gesprochen, auch wenn dafür leider nicht viel Zeit war.

Und dann, ja dann kam noch eine Pressekonferenz ohne Presse :o).

Und was ist jetzt die Quintessenz, die ich ziehen würde?

Ich sehe die Zukunft der Piratenpartei mit Freude entgegen. Auch wenn man sich nicht in allen Sachen einig ist, war der Ton und die Art des Umgangs miteinander gut. Es wurde argumentiert, zugehört, eingegangen und zum Nachdenken angeregt. Anders gesagt haben sich alle genau so verhalten, wie man es von der Politik im Allgemeinen wünscht. Die Organisation hat bis auf Kleinigkeiten gut geklappt, nochmals danke dafür.

Ich bin zuversichtlich, dass eine Partei, die so viele schlaue Köpfe sammeln und von ihren Ideen begeistern kann, gute Aussichten hat, diese Gesellschaft zu verändern.

Oder kurz gesagt, in den Worten eines Hamburger Originales: Piraten rocken!

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