«

»

Mrz
14

Gastbeitrag: What would a Pirate do?

Astrid als Comic
Astrid als Comic

Astrid schrieb in ihrem Blog einen Beitrag zu den „Piratinnen“. Da ihr Blog eher schlecht in der Piratosphäre vernetzt ist und sich in der Regel nicht um politisches dreht, gebe ich ihr die Ehre bei mir den ersten Gastbeitrag posten zu dürfen. Vielleicht überzeugt sie ja die Leserzahlen und Kommentare ihren eigenen politischen Blog zu eröffnen? Ich würde mich darüber jedenfalls freuen 😉 So und nun euch viel Spass mit ihrem Werk:

What would a Pirate do?

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, den Piratinnen keinerlei Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, denn ich bin eine Frau, ich bin Pirat und ich halte einen geschlossenen Raum, innerhalb dessen Frauen sich gegenseitig erzählen, wie sie diskriminiert werden, für absolut überflüssig. Bedauerlicherweise hat die Dame, die diese Initiative angeschoben hat, sich der Presse bedient, um ihren Hunger nach Aufmerksamkeit zu stillen und so geistert das Thema jetzt durch die Medien, Piraten, die sich explizit gegen eine solche geschlossene Liste nur für Frauen aussprechen, werden diffamiert und ausgegrenzt – das geht so weit, dass bereits ein Pirat sein Blog vorläufig geschlossen hat, weil er aufgrund der erfolgten Verbalinjurien tatsächlich Schaden für seine Familie befürchtet. Das zeigt, dass das Ringen um die Gleichberechtigung der Geschlechter immer noch ein hochemotionales Thema ist und dass es wirklich wichtig ist, dass wir alle, ob wir nun Piraten sind oder nicht, uns damit befassen.

Fangen wir mal damit an, dass es Gleichberechtigung heißt und nicht Selbberechtigung. Den Unterschied zwischen den Begriffen „das Gleiche“ und „dasselbe“ begreifen sehr viele Verfechterinnen der Emanzipation seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar seit Jahrhunderten nicht. Es wäre aber vollkommen unsinnig, wenn man negierte, dass es Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt. Gerade heutzutage, wo die Bedeutung einer Partnerschaft und nachfolgend einer Familie als kleinster sozialer Einheit derart rapide abnimmt, ist es sogar sehr wichtig, diese Unterschiede zu kennen, anzuerkennen und für alle Beteiligten verträgliche Konzepte zu entwickeln.

Es kann nicht angehen, dass eine Frau sich anhören muß, dass sie, falls es in ihrem Betrieb zu einem Personalabbau kommt, vor ihrem männlichen Kollegen die Kündigung erhalten wird, weil sie durch eine Ehe abgesichert sei. Es kann nicht sein, dass Frauen, die nachweislich dieselbe Arbeitsleistung erbringen wie Männer, in diesem Land immer noch deutlich weniger verdienen, eben weil in den Köpfen derer, die die Gehaltseinstufung vornehmen immer noch die abstruse Idee vorherrscht, Frauen würden nur arbeiten gehen, damit sie aus dem Haus kommen, sozusagen als Hobby. Es ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit, dass es immer noch Vorgesetzte gibt, die meinen, dass es die Frauen in der Abteilung sein müßten, die die Teeküchen sauberhalten, die die Spülmaschinen ausräumen, die für Kaffee sorgen – neben der Sacharbeit, die sie zu leisten haben.

Es kann auch nicht angehen, – und das um des Fortbestands der Menschheit willen – dass die spezifischen Eigenschaften von Frauen einerseits als lästig und geldfressend, andererseits als unabdingbar angesehen werden. Wenn jemand schwanger wird, ist das üblicherweise eine Frau. Das hat Auswirkungen auf die Gesundheit, auf die Leistungsfähigkeit, auf die Strapazierfähigkeit, es ist einfach so. Kinder bekommen ist etwas, was die wenigsten Frauen im Vorbeilaufen erledigen. Abgesehen von der deutlich höheren körperlichen Beanspruchung hinterläßt eine Geburt üblicherweise eine größere offene Wunde, die heilen muß, was den Körper ebenfalls beansprucht – daher die gesetztlich festgelegten Schutzzeiten. Andererseits sind es selbstverständlich die Frauen, von denen erwartet wird, dass sie zuhause bleiben, wenn ihr Kind krank ist. Ich habe neulich erst wieder einen meiner lieben Freunde schwadronieren hören, dass gesetzlichen Regelungen zum Mutterschutz die Arbeitgeber ja ein schreckliches Geld kosten, dass eine geringere Bezahlung für Frauen seitens der Arbeitgeber deswegen durchaus berechtigt sei und dass die Frauen, wenn sie als gleichberechtigte Arbeitnehmer angesehen werden wollten, ja auf diesen Schutz oder besser gleich auf Schwangerschaften verzichten sollten. Sie könnten ja wählen, ob sie eine Karriere wollten oder eine Familie. Ach, wenn es doch nur so einfach wäre.

In einer Gesellschaft, in der eine Partnerschaft den sozialen Umgebungsbedingungen immer seltener standhält, in der die Ein-Eltern-Familien immer mehr zur Regel werden und in der Väter, die ihre Familien hinter sich lassen, nicht müde werden, über die Kosten zu klagen, die die Trennung verursacht, in der Frauen immer mehr die Verantwortung sowohl für die Erziehung der Kinder als auch für den Unterhalt für die Familie übernehmen müssen, werden wir uns Gedanken machen müssen, wie wir die Kurve in die Gleichberechtigung bekommen. Wir werden einen Weg finden müssen, der für alle gangbar ist.

Das Rollenbild vom Mann als Ernährer und der Frau als Haushälterin ist bedauerlicherweise nicht so überkommen, wie wir oft denken. Das zeigt sich besonders deutlich in dem Moment, in dem Männer Erziehungsurlaub nehmen wollen oder gar zuhause bleiben und sich von ihrer Frau versorgen lassen – das Rollenbild also auf den Kopf stellen. Männer, die so etwas tun, werden üblicherweise von Frauen sehr gelobt, ja. Mir sind aber durchaus Fälle bekannt, in denen Männer, die Erziehungsurlaub genommen haben, einen kräftigen Karrieredämpfer hinnehmen mußten, weil sie als unzuverlässig galten. Auch hier ist ein Diskriminierungsansatz zu sehen, denn Männern wird immer noch Unverständnis zuteil, wenn sie sich vom Kinderarzt krankschreiben lassen, um sich um ein erkranktes Kind zu kümmern oder wenn sie wirklich Erziehungsurlaub nehmen, um sich um ihr kleines Kind zu kümmern. Mir will auch scheinen, dass solche Männer in der Arbeitswelt insofern gefürchtet sind, als sie als „genauso unzuverlässig“ wie Frauen gelten, sie bekommen also genau dieselben Diskriminierungsmaßnahmen zu spüren wie Frauen. Letztlich ist es also kein geschlechtsspezifisches Problem, das sich hier auftut, sondern das Problem derjenigen, die sich entscheiden, das Wohl ihrer Familie auf ihrer Prioritätenliste vor das Wohl des Arbeitgebers zu setzen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Menschen, die das tun, vorwiegend Frauen sind (die sich eventuell sogar dazu genötigt sehen), wird das soziale Problem des Zusammenbruchs der Familie als kleinster sozialer Einheit im Staat und aller daraus entstehenden Folgen gern als reines Frauenproblem mißverstanden. In letzter Konsequenz ist das aber einfach zu kurz gedacht – von den Frauen, die sich da mißachtet und diskriminiert fühlen genauso wie von den Männern, die die Sorgen, die sich aus der simplen biologischen Wahrheit, dass es die Frauen sind, die die Babys bekommen, als unbegründet vom Tisch wischen.

Ich habe das alles jetzt nur kurz angerissen, denn die Diskussion dieses gesamten Themenkreises muß ausführlich und unter Einbeziehung aller Beteiligten erfolgen. Unvernünftige Möchtegern-Emanzen, die meinen, sich für diese Diskussion in ausschließlich von Frauen frequentierbare Schutzräume zurückziehen zu müssen, können wir dabei wirklich nicht brauchen. Um die Probleme, die sich aus Diskriminierungen heraus ergeben, lösen zu können, werden alle Beteiligten benötigt.

Und deswegen bin ich sauer auf Lena Simon. Sie hat diese Diskussion durch ihr Verhalten wieder ein Stück schwerer gemacht. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen. Mein Rat an alle Piraten im Hinblick auf geschlossene Mailinglisten für Frauen oder Männer oder Osterhasen lautet: Laßt ihnen ihre Listen, laßt sie in ihrem Universum allein. Wenn sie irgendwann mit praktikablen politischen Ideen aufwarten können, wird uns allen das zum Vorteil gereichen. Und wenn die Mailingliste dafür genutzt wird, dass die Damen sich gegenseitig vorweinen, wie ungerecht die Welt ihnen gegenüber ist, dann fallen sie wenigstens denen, die wirklich politische Arbeit leisten wollen, nicht auf die Nerven. Wir sollten die tatsächlichen Probleme angehen und eben Gleichberechtigung anstreben.

Mein Name ist Astrid Steinmann. Ich bin Pirat. Ohne „in“.

Ähnliche Artikel

12 Pings

  1. Konni Scheller sagt:

    Zitat:
    Und wenn die Mailingliste dafür genutzt wird, dass die Damen sich gegenseitig vorweinen, wie ungerecht die Welt ihnen gegenüber ist, dann fallen sie wenigstens denen, die wirklich politische Arbeit leisten wollen, nicht auf die Nerven.

    Hervorragend. Das fasst es bestens zusammen.

  2. emspirat sagt:

    klasse! weiter so! meinen support haste! (bin männlich)

  3. Piratos sagt:

    Kompliment,

    weiter so mit deiner Arbeit.
    Die anderen wollen nur torpedieren, aufhalten, behindern.

  4. Piratos sagt:

    hey, versehentlich falsche Sternchen gesetzt,
    sorry

  5. Benjamin Stöcker sagt:

    Na piratos, das kann ich fixen :roll:

  6. Goofos sagt:

    Ein Dialog ist tatsächlich nötig statt soetwas auf einer geschlossenen Mailingliste sich gegenseitig zu zu werfen.
    Als erstes muss man sagen, dass in der Wirtschaftkrise weit mehr Männer ihre Arbeitsplätze verloren haben und die Beschäftigung der Frauen hingegen gestiegen ist. Weshalb ich es für aus der Luft gegriffen halte wenn Sie behaupten, dass als erstes die Frauen gekündigt werden weil sie durch eine Ehe abgesichert wären. Dafür hätte ich gerne einen Beleg.
    Als zweites werden Frauen für dieselbe Arbeitsleistung NICHT schlechter bezahlt. Keine Studie oder Statistik konnte das feststellen, dass Frauen bei der Bezahlung gegenüber Männern diskriminiert werden auch wenn das immer gerne von Politiker oder den Medien behauptet wird. Weshalb man die Beschuldigung nicht stehen lassen kann, dass in den Köpfen derer immer noch die abstruse Ideen vorherrschen würden Frauen würden nur arbeiten gehen um aus dem Haus zu kommen.
    Als drittes bitte ich sie hier doch Chefs nicht über einen Kamm zu scheren und ihnen zu unterstellen sie würden von Frauen erwarten die Teeküche sauber zu halten usw.
    Als viertes sind es vor allem die Frauen die behaupten sie wären Ruckzuck nach einer Geburt wieder bei der Arbeit.
    Als fünftes ist mein letzter Stand zu Scheidungen, dass diese zu 70% von den Frauen eingereicht werden. Sie können hier nicht behaupten die Väter würden ihre Familien den Rücken zu wenden. Für Kinder aus Nicht-Ehelichen Verhältnissen hat erst vor einiger Zeit das EUGmR festgestellt, dass die Väter im Sorgerecht diskriminiert werden. Tatsache ist die Mütter entscheiden darüber ob der Vater das Sorgerecht bekommt oder nicht.
    Als sechstes füge ich noch hinzu, ist das Rollenbild vom männlichen Ernährer nicht nur bei Männern noch immer nicht überkommen sondern auch bei den Frauen.

    Es tut mir leid wenn dieser Kommentar wieder als frauenfeindlich oder sexistisch aufgefasst wird. Ich will aber manche Behauptung oder gar Unterstellung nicht so stehen lassen. Wie man sieht sollte sowas lieber nicht auf einer geschlossenen Mailingliste unter sich diskutiert werden. Aber es sollten auch endlich mal die Tabus fallen das richtig diskutieren zu dürfen. Im Normalfall handelt man sich ziemlich schnell den Vorwurf ein Frauenfeindlich oder Sexistisch zu sein sobald Gegenmeinungen auftauchen. Weshalb ich es nicht so sehe, dass Lena Simon die Diskussion schwerer gemacht hat, denn die Diskussion ist bereits schwer gewesen. Lena Simon hat im Prinzip nur nichts neues zum Thema beitragen können.

  7. Eike Scholz sagt:

    @Goofos

    also naja wir wollen mal nicht übertreiben. Es gibt einen Gehalts unterschied um die 5% der sich nicht statistisch Korrigieren lässt, man kann schon davon ausgehen, das ein Teil davon auf die hier angesprochenen Probleme zurückgeführt werden kann. Das macht die Unredlichkeit seit Jahren wissentlich -davon muss man wohl inzwischen ausgehen- falsche zahlen zu veröffentlichen nicht besser.

    Ansonsten stimme ich der Autorin auch zu, dass die Biologischen Unterschiede einen gewisse extraregelungen für Frauen rechtfertigen.
    Sonst bin ich auch der Meinung man soll die „Emanzen“ unter sich bleiben lassen damit sie intellektuelle Inzucht betreiben können.

    Sonst sind deine Korrekturen soweit ich weiß richtig.

  8. Auch ne Astrid sagt:

    Liebe Astrid,
    danke für Deinen klaren und sympathischen Blick auf die Welt. Ein Grund für die Entstehung der „geschlossenen“ ML ist hier aber doch gut erkennbar. Sobald es um frauenspezifische Themen wie Lohnungleichheit geht, schlagen ganz spezielle Typen auf, diffamieren Frauen als Heulsusen und torpedieren durch vehemente Negation jede inhaltliche Auseinandersetzung. Gut zu erkennen ist diese Dynamik bspw. im Forum der AG-Frauen (wo logischerweise auch schon länger nix mehr geht). Natürlich können solche Problem auch anders geklärt werden. Ich glaube auch nicht, dass die ML der Weisheit letzter Schluss sein soll. Hoffe ich zumindest. Was ich mir aber wünsche, ist ein Diskurs (und ein Raum für diesen Diskurs) unter Gleichgesinnten (männlich wie weiblich) ohne Störfeuer. Das kommt nämlich nach der Ausarbeitung von Lösungsvorschlägen noch früh genug.

    Liebe Grüße von einer Namensvetterin

    Ad 1., lieber Goofos, steigt die Zahl der weiblichen Beschäftigten vor allem im Niedriglohn-Sektor,
    ad 2., liegt die Lohndifferenz bei gleichem Beruf, gleicher Ausbildung, gleichem Alter und gleichem Betrieb seit mindestens 15 Jahren durchschnittlich bei um und bei 12% und ja, ich weiß, das liegt auch daran, dass Männer am Arbeitsplatz oft präsenter sind. Allerdings müssen die auch nicht nach Hause und den Kindern das Abendbrot machen. Die gesamte durchschnittliche Lohnungleichheit von 23,2% erklärt sich auch daraus, dass Frauen vor allem neben der Familienarbeit als Zuverdienerinnen im Niedriglohnsektor tätig sind (siehe ad 1.),
    ad 3. hat Astrid das gar nicht gemacht,
    ad 4. hätte ich dafür gerne einen Beleg,
    ad 5. wüsste ich gerne, warum der-/diejenige, der/die Scheidung einreicht für das Scheitern der Ehe verantwortlich sein soll und
    ad 6. geht es ja v.a. darum, dass Arbeitgeber Männer nach wie vor als Ernährer (und damit als beliebig auszubeutendes Humankapital) und Frauen als Zuverdienerinnen betrachten.

    Dir auch liebe Grüße

  9. Auch ne Astrid sagt:

    Schiet, bei ad 6. hinter Arbeitgeber vergessen: und Arbeitgeberinnen. 😳 Das ist ja der Punkt, dass es egal ist, ob ein Männlein oder ein Weiblein als Boss am Drücker sitzt (wobei das bei Weiblein strukturell sowieso seltener vorkommt).

  10. Eike Scholz sagt:

    @Auch ne Astrid

    Nun, ich verstehe dein Argument für geschlossene Mailinglisten nicht. Vor allem wenn du nach-trägst, dass auch Arbeitgeberinnen ähnliche Argumente bedienen. Welchen Nutzen hat es dann Männer auszugrenzen?
    Warum sich nicht der Diskussion stellen und solche Negationen einfach korrigieren? Sich abzukapseln macht sehr den Eindruck, dass man Inhaltlich keine Argumente hat aber in seiner Weltsicht nicht gestört werden will.

  11. Stonie sagt:

    Vielen Dank für die Kommentare, ich freue mich sehr, Resonanz zu erfahren (und dazu noch so viel positive, das ist wirklich schön!).

    Vorneweg: Das, was ich da zusammengeschrieben habe, sollte nichts anderes sein als ein Schubs in eine andere Richtung – weg vom „Emanzen-gegen-Chauvis“-Bashing, hin zu einer Sachdiskussion. Das scheint ganz gut gelungen zu sein.

    Dann das, was ich am schnellsten beantworten kann: Die Dame, die sich anhören durfte, dass sie im Falle eines Personalabbaus ihren Arbeitsplatz vor ihrem männlichen Kollegen räumen dürfte, weil sie durch eine Ehe abgesichert sei, ist mir seit über vierzig Jahren persönlich bekannt und ich darf Ihnen versichern, Herr Goofos, dass sie so etwas nicht erzählen würde, wenn es nicht der Wahrheit entspräche.

    Dann bin ich sicherlich in meinem Artikel statistische Belege schuldig geblieben, ja, und das aus gutem Grund: Ich will weg von dem Kindergartenstreit um die schwierigeren Lebensbedingungen, deshalb ist das, was ich zu Frauen und Männern gesagt habe, eigentlich auch nur als Beispiel zu verstehen. Wenn Sie, Herr Goofos, sehr viel Wert darauf legen, werde ich mich gern daransetzen, die statistischen Erhebungen nachzurecherchieren. Allerdings sehe ich den Sinn darin nicht, denn Statistiken waren noch nie in der Lage, etwas so subjektives wie Leidensdruck darzustellen – und der scheint sowohl bei Frauen vorhanden zu sein als auch, wie man an Ihrer Reaktion sieht, bei Männern.

    Was ich für viel wichtiger halte als jede Statistik, ist, dass sowohl Männer als auch Frauen sich angewöhnen, ihre Sorgen, Nöte, Begrenzungsgefühle zu formulieren – und zwar, ohne den jeweils anderen als schuld an der Situation zu identifizieren. Es geht mir eher um eine Ist-Stand-Erhebung, die ermittelt, wo denn die geschlechterspezifischen Problematiken liegen, um dann auf dieser Basis darüber nachdenken zu können, wie die Lebensumstände für alle verbessert werden können. Also weg vom „durchsetzen-gegen“ und hin zum „aufbauen-für“. Das darf man jetzt gern als Utopie sehen, denn so, wie die Dinge stehen, ist es eine. Aber wenn wir nicht mal langsam damit anfangen, bleibt’s auch eine – und das wäre doch jammerschade, oder nicht?

  12. Goofos sagt:

    @Stonie
    Sie brauchen mich nicht „Herr Goofos“ nennen, es reicht auch ein einfaches „Goofos“.

    Ich glaube kaum, dass es in der Diskussion viel zu gewinnen gibt indem man einzelne subjektive Eindrücke aufzählt, dabei auf die Allgemeinheit schließt und mit Vorwürfen eine größere Menge unter Generalverdacht stellt. Zudem wenn dadurch ein anderes Problem, in diesem Falle die Männer die vorwiegend in der Wirtschaftkrise ihre Arbeit verloren haben, verschleiert wird.

    Da ich eher in einer Frauendomäne arbeite, hätte ich ebenfalls reichlich subjektive Eindrücke auf Lager um mit Gegenrechnerei anzufangen. Sicher bin ich mir, dass ich mir schnell den Vorwurf gefallen lassen müsste mit subjektiven Eindrücken und einseitigen Schuldzuweisungen daher zu kommen. Nicht nur ich, sondern z.B. auch der Männerkongress der sich von frauTV den Vorwurf gefallen lassen muss in etwa „Jetzt suchen sie wieder die Schuldzuweisungen an die Frauen“, was nicht der Tatsache entspricht.

    Was mich an der ganzen Diskussion überhaupt ank*** ist, dass es wohl wirklich etwas schwer ist tatsächlich endlich damit anzufangen „sowohl Männer als auch Frauen“ anzuhören. Für meine Sorgen, Nöte, Begrenzungsgefühle werde ich hier gleich angegriffen.

    @Auch ne Astrid
    1. Stellen wir doch mal fest, dass obwohl vorwiegend Männer ihre Arbeitsplätze verloren haben und die Erwerbstätigkeit von Frauen stattdessen zugenommen hat, trotzdem nur weiter die Frauen gestärkt werden. Die Frage für mich ist, warum wird für die zahlreichen Männer die überhaupt keinen Job mehr haben nichts getan? Männer verlieren, Frauen stärken – das passt irgendwie nicht zusammen.
    2. Entsteht die Lohndifferenz dadurch, dass Frauen ihre Karriere für längere Zeit unterbrechen und danach eher in Teilzeit arbeiten. Damit ist aber nicht geklärt ob sie sich tatsächlich aus freien Motiven dafür entscheiden oder durch Rollenbilder gezwungen werden.
    3. Doch irgendwie schon(?).
    4. Sie werden sicherlich bei der http://www.maedchenmannschaft.net fündig. Von dort habe ich die Aussagen, dass nichts dagegen sprechen würde, wenige Wochen bis wenige Tage nach der Geburt wieder los zu legen. Zur Not helfen auch Telearbeitsplätze usw. Auf solchen Blogs und Boards wird auch immer wieder bekundet, dass man das so umsetzen würde weil man nicht zu lange der Karriere fern bleiben möchte.
    5. Das habe ich auch nicht gesagt. Man kann aber auch schlecht behaupten „DIE Männer würden ihre Familien hinter sich lassen“ wenn die Scheidungen zu 70% von Frauen eingereicht werden.
    6. Das bestreite ich nicht, dass solche Rollen bei Arbeitgebern vorherrscht. Ich würde das nur nicht pauschalisieren und alle über einen Kamm kehren. Zudem gehe ich aber auch davon aus, dass solche Rollen bei einigen Arbeitnehmern vorherrschen. Solche Diskussionen finde ich persönlich dann doch ein bischen zu Schwarz-Weiß.

    @Eike Scholz
    Die unerklärlichen 5% sehe ich mal als derzeit unerklärlich an. Der Unterschied war auch schon etwas größer und wurde langsam aufgeklärt. Weshalb ich mich eigentlich eher damit zurück halte diesen Unterschied jetzt mit einer vermutlichen Diskriminierung zu erklären.

    Wie ich schon Stonie geschrieben habe, sollte man dann aber tatsächlich damit anfangen von „sowohl Männer als auch Frauen“ zu reden. Ein biologischer Unterschied von Frauen hat auch ein biologischer Unterschied von Männern zur folge. Man sollte also nicht nur von Extraregelungen für Frauen reden. Zudem halte ich es für unnötig aufgrund eines solchen Unterschieds mit pauschalen Verurteilungen des anderen daher zu kommen.

Schreibe einen Kommentar