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Jun
15

Transkript meiner Rede vor dem LPTBW2010.2

Bild von der Rede
Bild aus der Aufzeichnung

Es ist ja schon eine Zeit her, dass ich gebloggt habe. Leider bin ich derzeit schwer mit der Einarbeitung in mein Amt beschäftigt. Dieses Wochenende war ich auf dem zweiten Landesparteitag des LV Baden-Württemberg, bei welchem das Wahlprogramm fertig gestellt wurde.

Ich durfte dort auch eine kleine Rede halten. Ich nutze einfach mal die Gelegenheit das Transkript dafür hier zu veröffentlichen. Leider wurde sie vom Streaming nicht aufgezeichnet. Vom zweiten Teil gibt es allerdings eine Aufzeichnung aus dem Publikum, welche am Ende zu finden ist.

Ahoi Piraten!
Euer Landesvorstand hat mich gebeten heute ein Paar Worte an euch zu richten. Wir haben jetzt schon einen Tag hinter uns, und einen weiteren Tag vor uns. Eins haben sicher viele schon bemerkt: Demokratie ist anstrengend. Da kann es auch schon mal zehn Stunden dauern bis ein Vorstand gewählt ist, aber wenigstens hatten wir eine Auswahl. Ich finde es einfach schön, dass es endlich eine Partei gibt, die Demokratie auch wirklich lebt.

Das mit der Demokratie ist eigentlich faszinierend: Da bekommt man in der Schule beigebracht wie unser Staat funktionieren sollte, wie Demokratie funktionieren sollte. Da wird von den Griechen erzählt, von dem Warum, dem Wieso, dem Weshalb. Und dann wird man volljährig, darf wählen, will seinen staatsbürgerlichen Pflichten nachkommen, liest den SPIEGEL, die Süddeutsche, Heise, Fefe und den Spiegelfechter und es wächst in einem das Wissen um die Realität heran.

Und die Realität schockiert.

Letztes Jahr hat dann eine Frau mit einem „Zugangserschwerungsgesetz“ geschafft, dass aus dem Wissen auch Bewusstsein wurde. Ich weiß natürlich nicht, was euch alle dazu bewogen hat, den Piraten beizutreten. Bei mir persönlich war Zensursula nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Die irrsinnige Gesetzgebung hat ja schon viel früher angefangen. Diese Dilettanten aus CDU, SPD und wie sie alle heißen machen ja schon jahrelang unsere Demokratie kaputt. Letztes Jahr formte sich bei mir aus dem reinen Wissen ein Bewusstsein:

This is not what I fucking signed up for.

Und mir taten es letztes Jahr 12 000 andere, vor allem junge Menschen, gleich.

Liebe Altpolitiker, Ihr werdet euch noch wundern: Die Jugend dieses Landes, die digital Natives, haben sich aufgemacht in die Politik und wollen dieses Land zum Besseren verändern. Und dabei orientieren sie sich an dem, was sie aus dem Internet kennen:

  • Demokratisch
  • Gleichberechtigt
  • Individualistisch
  • Frei

Wir Piraten wollen die freie Entfaltung des Individuums bei maximaler Chancengleichheit. (Danke @zeitweise für diese Worte!)

Und wir mögen im Internet geboren sein, aber unser Anspruch geht weiter, viel weiter. Wir wollen diese Republik verändern. Wir haben diese Republik bereits verändert und wir werden es weiter tun.

Es gibt ja immer wieder Leute die uns sagten: Ihr müsst dieses und jenes tun, dann kommt ihr schon über die fünf Prozent. Das sind viele Externe, aber auch einige Piraten äußern sich gerne in diese Richtung.

Wisst ihr nach was das für mich klingt? Für mich klingt das nach den Parteistrategen anderer Parteien: „Reden wir dem Wähler mal nach dem Mund, Hauptsache wir haben ein gutes Ergebnis.“

Und ich sage dazu: Bullshit.

Das ist das, was uns von anderen Parteien unterscheidet:

Für DIE ist Politik nichts weiter als Mittel zum Zweck an die Macht zu kommen.

Für uns ist Macht nichts weiter als Mittel zum Zweck die richtige Politik zu machen.

Und genau das müssen wir auch zeigen, als den Unterschied darstellen. Ich möchte euch heute das Zitat vorlesen, das ich in Bingen bei meiner Kandidatur leider nicht vortragen konnte.

Das Zitat stammt aus dem Buch „Power of Love“ und ist eine etwas freiere Übersetzung.

Unsere größte Angst ist nicht, unzulänglich zu sein. Unsere größte Angst ist es, grenzenlos mächtig zu sein. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns ängstigt. Wir fragen uns: „Wer bin ich, dass ich brillant, großartig, talentiert, außergewöhnlich sein soll?“ Ehrlich gesagt: Wer bist Du, es nicht zu sein? Deine Bescheidenheit nützt niemandem. Es hat nichts Erleuchtendes, sich selbst herunterzuspielen, damit sich andere in Deiner Nähe nicht unsicher fühlen. Wir sind geboren, um die Herrlichkeit in uns ist zu manifestieren. Und sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem einzelnen. Indem wir unser eigenes Licht strahlen lassen, erlauben wir unbewusst anderen, es auch zu tun. Wenn wir uns von unserer Angst befreien, befreit unsere Gegenwart automatisch andere.

In diesem Zitat geht es vor allem um Selbstbewusstsein. Es hilft uns nicht, es hilft niemandem, wenn wir uns selbst klein reden!

Nur wenn wir unsere Ansichten selbstbewusst vertreten, können wir in dieses Land hinein strahlen.

Wir haben das Zugangserschwerungsgesetz gestoppt!

Wir haben die FDP in unseren Themen zu r Verbissenheit getrieben. Guido Westerwelle hätte doch ohne uns die Bürgerrechte auf dem Altar der Steuersenkung für Hoteliers geopfert.

Wir stehen hinter Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und stützen sie als einzige Stimme für Bürgerrechte in der Regierung.

Und das wir weiterhin gebraucht werden, das sieht man auch an den Plänen die überall in den Schubladen lauern. Ich sag hier nur mal:

  • ACTA
  • Das Indect Projekt: Dagegen sieht 1984 aus wie ein Manifest der Freiheit
  • Censilia: Da wird über die EU-Ebene versucht, die Zensurinfrastruktur europaweit einzuführen.
  • JMSTV: Auch wieder ein Versuch die Informationsfreiheit im Internet mit den Füßen zu treten. Öffnungszeiten für Webseiten, geniale Idee.

Und dass allein unsere Existenz etwas bewirkt, das kann ich auch zeigen und zwar anhand von Volker Beck: Dieser Mann hat nach der NRW Wahl getwittert, das UNSERE Wähler Rot-Grün in NRW verhindert hätten. Und dann setzte er noch eins drauf in dem er twitterte – und da zitiere ich – „Wer hat uns verraten? die Piraten!“

Liebe Grüne, wer sagt eigentlich das Ihr unsere Wähler verdient habt? Wer unsere zwei, drei, vier, fünf, sechs Prozent haben will, der soll sie sich holen, und zwar durch richtige Politik und nicht durch die falsche Parteipolitik.

Fangt an, konsequent unsere gescheite Politik zu machen. Holt euch unsere Wähler, aus unseren eiskalten demokratischen Händen.

Und Volker Beck zeigt beispielhaft eins: Man braucht nicht mit aller Gewalt 5%, um wahrgenommen werden. Wir treiben die Anderen vor uns her, die haben Angst vor uns.

Die haben Angst vor uns weil sie wissen, was wir nur klar stellen müssen:

  • Wir sind die Partei, die in der Lage ist, die digitale Revolution zu verstehen.
  • Wir sind die Partei, die verstanden hat, was es für unsere Zukunft bedeutet, vollständigen und freien Zugang zu Wissen und Bildung zu ermöglichen.
  • Wir sind die Partei, die verstanden hat, dass trotz der schönen neuen Möglichkeiten, die sich heute bieten, weniger statt mehr Überwachung die freie Entfaltung des Einzelnen und ein würdiges Leben ermöglicht.
  • Wir sind die Partei, die verstanden hat was „Like it, share it, mix it, upgrade it“ bedeutet für unsere Zukunft.
  • Wir sind die Partei, die glaubhaft gegen Korruption und Lobbyeismus in den Staatsgewalten kämpft.
  • Wir sind die Partei, die tun wird, was für unser Land richtig ist und nicht das, was dem eigenen Machterhalt dient.
  • Wir und nur wir sind die einzige Partei, die überhaupt noch wählbar ist.

Und wenn wir diese Tatsache selbstbewusst kommunizieren, vertreten, in die Welt schreien, dann klappt es nicht nur mit dem Nachbarn, sondern auch mit dem Landtag.

In diesem Sinne: Ahoi, meine Name ist Ben und es erfüllt mich mit Stolz, sagen zu können:

Ich bin Pirat!

Hier das Video – Danke für das online stellen!

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4 Pings

  1. AndreR sagt:

    Danke,
    ich habe das Transkript in einen Untertitel umgewandelt und dem Video hinzugefügt.

    Gruß,
    André, PiratenAA

  2. Konni Scheller sagt:

    Gute Rede, Ben! Du vereinigst, statt zu spalten.

    Weiter so.

  3. Akallabeth sagt:

    Ahoi lieber Ben

    Diese Rede war eine Wohltat in Zeiten wo sich die Bewegung auseinander lebt, für einmal ein Apell an das WIR in uns, an die Gemeinsamkeiten die die Piratan verbinden.

    Wir kämpfen Weltweit für die selben Ziele, uns davon zu entfernen sollte uns nicht in den Sinn kommen. Es sind unsere Gemeinsamkeiten die uns verbinden, nicht unsere Diversifizierung.

    Danke Ben
    eine Gute Amtszeit wünsch ich dir
    Liebe Grüsse
    Akallabeth

  4. Wolfgang G. Wettach sagt:

    Ahoi Ben,

    du wirst dich nicht wundern, dass ich dir nicht ganz zustimme, vor allem nicht im Ton – der den Eindruck erweckt, Guido und Sabine seien jetzt Piratenfreunde und Volker dagegen ein Piratenfeind. So einfach ist es nicht.

    Auf dem LPTBW09 in Karlsruhe habe ich in meiner Grünen Gastrede klargemacht dass wir Grünen nicht eure Feinde sind, sondern Verbündete in der Sache, dass der Kampf denen gelten sollte die die schlechten Gesetze einführen, nicht denen die wie ihr auch dagegen kämpfen.

    Bei ELENA war ich mit Sebastian „tirsales“ Nerz Redner einer vor allem von Piraten besuchten Kundgebung, bei ACTA werde ich es morgen in Luzern wieder sein. Wir haben gemeinsame Ziele, und solange Ihr dafür mehr Leute auf der Strasse mobilisiert als wir schliesse ich mich euch gerne an. Wir GRÜNE mobilisieren mehr Wähler an den Urnen und mehr Druck in den Parlamenten und ihr solltet Euch nicht scheuen euch da uns anzuschliessen und mit uns zu gehen, Wahlempfehlungen für unsere Kandidaten auszusprechen sofern diese vernünftige Netzpolitische und Bürgerrechtliche Positionen vertreten.

    Dort wo es darauf ankommt, weil viele unserer gesetzlichen Rahmen daher kommen, auf EU-Ebene nämlich, haben sich die beiden Piraten im Europaparlament aus guten Gründen nicht zu den ALDE-Liberalen gesellt, sondern unserer Grünen Fraktion GREENS/EFA angeschlossen. Dort arbeiten Grüne und Piraten längst auf Augenhöhe Hand in Hand. Hier im Netz und überall im Land sollten wir genau das auch tun.

    Wenn du also das Selbstbewusstsein und die Mitglierderbasis der Piraten stärken willst, tu es im Hinblick auf unsere Partnerschaft. Wenn es Euch dabei gelingt Nichtwähler zu mobilisieren und Parteilose als Mitglieder zu aktivieren, dann freut mich das auch – denn es nutzt dem gemeinsamen Bemühen um die gemeinsame Sache!

    Entsprechend habe ich mich übrigens auch umgekehrt in meiner Rede zu Netzpolitik beim Grünen Kleinen Landesparteitag (#la10) gestern in Mannheim geäussert, als die Piraten zur Sprache kamen.

    Mit grünen Grüßen aus Tübingen,
    Wolfgang G. Wettach

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