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Aug
03

Vom Tanz ums goldene Kalb „Liquid Feedback“

Man der einem goldenen Kalb huldigtVerbeugung vor dem golden Kalb
(thefuturistics CC-BY 2.0)

Derzeit treibt die Piratenpartei ja vor allem immer wieder eins um: Liquid Feedback. Dabei vergraben sich die Protagonisten auf der Pro und der Kontra Seite so tief, dass man sich wundert das noch alle Leben und noch nicht die A-Bomben ausgepackt haben.

Von der eigentlichen Sache hat man sich schon weit entfernt, das kann man leider sogar bei manchen Bundesvorstandsmitgliedern nachlesen. Liquid Feedback wurde von der Befürworter-Seite längst auf ein Podest gehoben, von dem es nur wieder herunterfallen kann.

Es wird so heftig als Heilbringer für die innerparteiliche Demokratie dargestellt, dass man meinen könnte, es könne auch Zeitreisen. Gut zugegeben das wird nicht behauptet, aber zumindest wird so getan als würde es zwischenmenschliche Probleme lösen oder valide und gültige Beschlüsse fassen.

Dem ist aber nicht der Fall. Niemand hat definiert das Liquid Feedback über etwas befindet. Entscheidungen werden weiterhin zwei Gremien der Partei treffen: Der Bundesvorstand und der Bundesparteitag. Dies zu ändern obliegt nur einem Organ – dem Bundesparteitag.

Bisher hat das aber kein Bundesparteitag und es würde den Protagonisten gut zu Gesicht stehen, sich dieses Faktum einzugestehen und dementsprechend zu agieren. Liquid Feedback ist schlicht ein Tool zur gemeinsamen Erarbeitung von Anträgen. Mehr kann man aus den zwei Bundesparteitagsbeschlüssen nun beim besten Willen nicht herauslesen.

Der Bundesvorstand hat in das Projekt auch bereits mehr Geld gebuttert, als vom Parteitag vorgesehen war. Die Admins benötigten zum Beispiel unbedingt Geo-Redundanz – weil die Welt scheinbar untergeht wenn das Tool, in dem wir Meinungsbilder erstellen, ein paar Stunden down ist. Vieles im Handeln der Protagonisten zeigt, dass sie das Tool gnadenlos überbewerten. Das ist bis zu einem gewissen Maß erträglich, allerdings wurde mittlerweile jeglicher vernünftige Rahmen deutlich gesprengt.

Und wenn dies so langsam nicht nur den Protagonisten sondern auch den Antagonisten bewusst würde, würde die Debatte vielleicht auch wieder viel sachlicher und nicht so emotional geführt. Die Art und Weise wie hier miteinander umgegangen wird ist schlicht – Vorsicht Buzzword – unpiratig. Die Kritiker und die Verfechter dieses Systems gehen respektloser miteinander um als die FDP mit der Linken – oder umgekehrt.

Natürlich kann man immer versuchen auf Polemik oder einen dummen Spruch der einen Seite mit noch größerer Polemik und noch dümmeren Sprüchen zu kontern – nur hilfreich ist es selten – und vor allem zeugt es nicht sonderlich von geistiger oder emotionaler Reife.

Dabei sollte doch gerade Piraten bei einer Diskussion immer Michael Gorbatschow im Ohr erklingen:

Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ohne Kritik Demokratie geben kann. Damit fängt sie an.
Zerlegtes goldenes KalbGoldenes Kalb – zerlegt in Stücke
(thraxil CC-BY-SA 2.0)

Recht hat er damit vollkommen – und daraus folgt auch mit Kritik und Kritikern selbstbewusst, souverän und respektvoll umzugehen – auch wenn sie sich selbst dabei nicht sonderlich benehmen können. Die Aufgabe jedes Piraten – und vor allem die Aufgabe des Bundesvorstandes – ist uns zu einen, respektvoll miteinander umzugehen, damit wir am Ende Seite an Seite kämpfen können.

Liquid Feedback wird hier sicherlich, wenn wir es weise und gut einführen, hilfreich sein. Ein Allheilmittel wird es aber nicht sein. Liquid Feedback ist ein Tool, ein Werkzeug – nichts weiter. Richtig eingesetzt kann es Gutes tun, falsch eingesetzt ist es besten Falls nutzlos. Liquid Feedback wird keine zwischenmenschlichen Probleme lösen, was man derzeit ja sehr gut am Landesverband Berlin sieht. Nein, unsere Kommunikations- und Toleranzprobleme können wir nur selbst überwinden, in dem wir an uns arbeiten.

Der Tanz um das heilige Kalb „Liquid Feedback“, der derzeit veranstaltet wird, ist dabei nicht hilfreich, sondern schlicht schädlich – für die Mitglieder, die Partei und Liquid Feedback selbst. Es wird so viel Zeit von aktiven Mitgliedern dran gebunden, es wird so viel Frust Aufgrund der aggressiven Vorgehensweise erzeugt.

Dabei sollte man sich eines klar machen: Liquid Feedback wird nicht in den Straßen stehen und Unterschriften sammeln, Liquid Feedback wird nicht hergehen und Position erarbeiten, offene Briefe schreiben, mit Abgeordneten reden, sich für Wahlen aufstellen lassen, Werbematerial erstellen oder Menschen überzeugen uns am Ende auch zu wählen. Das können nur wir Mitglieder – gemeinsam. Und wenn Mitglieder aufgrund des Tohuwabohu darum – vor allem wegen dem harschen Vorgehen der Protagonisten – verschreckt, deprimiert und inaktiv werden, dann kann man eben nicht umhin sich zu Fragen ob eine Einführung in dieser Form Sinn macht.

Und genau weil Liquid Feedback als heiliges Kalb so schädlich ist – ja nur schädlich sein kann – wäre es angemessen es schlicht zu schlachten und auf das zurück zu stutzen was es sein sollte. Kalbsfleisch soll lecker sein hab ich gehört – Axt, Grill und Silberbesteck stelle ich gerne zur Verfügung.

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21 Pings

  1. Kyra Anisimov sagt:

    Dabei sollte man sich eines klar machen: Liquid Feedback wird nicht in den Straßen stehen und Unterschriften sammeln, Liquid Feedback wird nicht hergehen und Position erarbeiten, offene Briefe schreiben, mit Abgeordneten reden, sich für Wahlen aufstellen lassen, Werbematerial erstellen oder Menschen überzeugen uns am Ende auch zu wählen.

    wie wahr!!!!!
    Dieser Hype ist mir auch unverständlich. LF ist bestimmt eine nette Sache wenn es läuft, aber wie oben gesagt, es ist kein Allheilmittel und keine Wunderwaffe.

  2. Aleks A. sagt:

    Ah, eine Stimme der Vernunft und der Moderation inmitten der Schützengräber. Ich finde auch, dass wir viel zu viel Zeit in einer Tooldiskussion vergeuden.

    Ich verstehe zwar beide großen Standpunkte Transparenz vs. Datenschutz und neige zur Seite der Datenschützer. Aber ich finde auch, dass das Tool von beiden Seiten überschätzt wird.

    Schönen Gruß
    Aleks

  3. hansb sagt:

    Schlachten und stutzen? Uh oh. Wie grob, das.

    Ob dies für „die Protagonisten“ als Deeskalationsversuch erkennbar sein wird?

    Über diese Totalausfallsicherheit musste ich in der Tat auch schmunzeln.

    Über die Totaltransparenzforderungen eher weniger.

  4. Christoph B. sagt:

    In der Politik bin ich für Transparenz, wenn LF am Ende etwas >:XX ist bin ich jedoch auch nicht böse. Schön wäre natürlich, wenn die anstrengende Diskussion endlich auf sachlicherer Ebene weitergeführt wird.

    Was das „schlachten“ und „stutzen“ angeht. Das sind harte Worte. Aber ich denke das bezieht sich darauf, dass man mit LF eben nicht durch die Zeit reisen kann. Es ist eben nur ein Tool und sollte darauf zurückgestutzt werden.

    Die „Grabenkämpfe“ um ein simples Tool sind etwas überzogen. Beim Wiki haben wir auch nicht gekämpft.

  5. tarzun sagt:

    „Richtig eingesetzt kann es Gutes tun, falsch eingesetzt ist es besten Falls nutzlos“. Korrekt. Oder anders gesagt: Wir können damit nur gewinnen, wir haben dabei nix zu verlieren.

    Entweder wir haben dann einen ersten Schritt zur (innerparteilichen) LiquidDemocracy oder der Kram geht in die Hose. Herrje, 14jährige üben auch in „Schüler-UNOs“ Planspielchen und Debatten und Parlamentarismus.

    Und deswegen sollten auch wir LiquidDemocracy halt üben. So I can haz LiquidFeedback now?

  6. Benjamin Stöcker sagt:

    @tarzun -> da hast du mich offenkundig falsch verstanden. Bestenfalls nutzlos heißt es geht schlimmer.

  7. tarzun sagt:

    Gut, dann haben wir da einen Dissenz. Wobei ich schon interessiert wäre, welches tatsächliche Risiko besteht, erst Recht wenn zunächst da wohl kaum „Gesinnungsfragen“ wie Atomkraft Ja/Nein sondern eher sowas wie „Beitragsermäßigung für Linksträger“ drin stehen wird. Und man selbst da nicht im LF abstimmen muss sondern auch warten kann bis man aufm BPT seine Karte heben darf. Naja, spezielles LF-Pseudo, für sich behalten, nur selbst abstimmen etc. alles nix Neues. Müssen wir kaum wiederholen hier 🙂

    Also ganz im Ernst: Was ist der „worst case“, was ist der „best case“? Welche Risiken gehen wir ein, welche Vorteile können wir daraus ziehen? Überwiegen die Vorteile die Nachteile oder andersrum? IMHO sind die Chancen hier um ein Vielfaches größer als die (welche?) Risiken. YMMV, aber dann nutzt Du halt die Antragsfabrik oder schickst einen berittenen Boten nach Chemnitz…

    Gibt es irgendwo eine seriöse und ernsthafte Betrachtung der konkreten Risiken? Ohne „Stasi“, „Überwachung“, „Weltuntergang“ und so?

  8. Benjamin Stöcker sagt:

    Tarzun, stell dir vor es treten reihenweise Vorstände zurück, die Leute die derzeit aktiv Politik machen und nicht nur „mimimimi“ gehen. Wie viele Austritts- und Rücktritts Gedanken ich gehört habe, wegen dem Terz der derzeit in der Partei gemacht wird, geht kaum auf eine Kuhhaut – und da ist ein guter Teil der Creme dela Creme der Partei dabei. Es ächzt im Gebälk Piratenpartei, gewaltig.

    Und das mit dem berittenen Boten ist eine schöne Polemik, hilft aber nicht, ich würde mich freuen wenn du sachlich bleiben würdest.

  9. Kyra Anisimov sagt:

    LF ist derzeit wirklich parteischädigend und bindet sehr viel Energie. Zudem spaltet es die Piraten.

  10. tarzun sagt:

    Du, wir sind nicht soweit auseinander, wie es vielleicht den Anschein hat. Der „Bote“ sollte nur ein Beispiel dafür sein, das man auch als LF-Nutzer weiterhin antragsberechtigt bleibt und keiner der „oldschool“-Wege verwehrt wird. Das war ja u.a. auch Deine Argumentation in der Anhörung 🙂

    Das es im Gebälk ächzt ist nicht zu übersehen und ich mag mich dem Herrn Pritlove anschließen, der uns unsere „Deppenbekämpfungsphase“ diagnostiziert. Ich selber schwanke auch aller zwei Tage zwischen „Was soll ich in der Emulation eines Karnickelzuchtvereins noch“ und „Du wirst ja wohl den Schreiern und ‚Idioten‘ nicht das Feld überlassen“.

    Nach dem „Sommermärchen 2009“ müssen wir sehen, das wir „mitm Arsch an die Wand“ kommen, ein eigenes Profil schaffen und schärfen und weiter der Stachel im Hintern der Etablierten sein können. Das wir gemeinsam was schaffen und nicht einzelne Grüppchen ihren eigenen Feldzug als vermeintliche Speerspitze der Piraten führt.

    Liquid*Democracy* ist dabei eines der Dinge womit IMHO unser Erfolg stehen und fallen wird. Wenn wir es nicht schaffen anders und besser als die „Alten“ zu werden, und das werden wir nur mit neuen, „revolutionären“, Dingen wie LD, dann wird der Laden hier still und leise den Bach runter gehen und wir können unseren Söhnen und Töchtern mal sagen „Ja, wir waren dabei aber genützt hat es nix“.

    Davon abgesehen würde es mich tatsächlich und ernsthaft interessierten, ob irgendwo eine „richtige“ Übersicht eines „what could go wrong“ bezüglich LiquidFeedback existiert. Das könnte helfen viele Bedenken (und da gab es ja tatsächlich ernste, bzw. die Skepsis ggü. zeitlich unbegrenzten Globaldelagationen) ernster zu nehmen. „Liquid-Stasi“ oder den dräuenden Parteiuntergang angesichts der fröhlichen Nutzung von Medien wie ML/Wiki/Forum ernst zu nehmen fällt mir nämlich arg schwer.

    Du hast außerdem völlig recht wenn Du sagst, das man sich schlicht mal die Dimensionen des Ganzen klar machen und zurecht rücken muss. LF ist in Prinzip vereinfacht eine „gepimpte Antragsfabrik mit verifizierten Nutzern“ bei der jeder Pirat eine Stimme hat, die noisy minority nicht durch schlichte Masse/Lautstärke die Diskussion bestimmen kann und nicht am Ende die „gewinnen“, die die meiste Freizeit und das größte Durchhaltevermögen haben.

    Ich persönlich finde obige Vorteile von gut und wünsche mir, das das Ding endlich online geht, damit man echte Schwächen endlich im „Regelbetrieb“ mal entdecken kann. Damit könnten wir es schaffen den BPT in Chemnitz so vorzubereiten, das man die 2x8h „nur noch“ Karte hebt oder unten läßt und alle offenen Programmdinge (Anti-Korruption liegt seit 2008 auf Halde, schon fast ein „Hohn“ angesichts der Tatsache das wir jetzt 108e (richtigerweise!) promoten) endlich mal abgearbeitet werden.

    Und dann kann man sich mal hinsetzen und nen Plan machen wo wir in 1-2-5-10-15 Jahren stehen wollen, sowas scheints im Moment auch nicht zu geben, leider. Eine gemeinsame „Perspektive“, ein großes „Ziel“ auf das man gemeinsam hinsteuert ist verdammt wichtig und im Moment hat man den Eindruck das man nur der jeweils aktuellen (auch noch innerparteilichen!) Sau hinterherrennt, die grad durch Piratistan getrieben wird.

    Sachlich genug? 🙂

  11. Andi Zottmann sagt:

    Lieber Ben,

    der Versuch „den Ball flach zu halten“ ehrt Dich, aber ehrlichgesagt bin ich nicht so ganz Deiner Meinung.

    Gerade der Streit (der mal wieder sehr piratenmäßig ausgetragen wird 🙁 ) zeigt mir schon, dass es da um ein bisschen mehr geht als nur um irgendein Tool.

    Für mich ist LQFB wie der Aufbruch zu einer Reise mit unbekannten Ziel. Wie jede Reise, so beginnt auch diese Reise mit dem Schritt vor die eigene Tür. Deine Argumentation greift nicht viel weiter, als dieser erste Schritt.

    Natürlich werden Vorstand & Parteitag mit einem solchen Tool nicht von heute auf morgen entmachtet. Aber blickt man weiter, so zeichnet sich schon ab, dass es um ein bisschen mehr geht, als nur eine weitere „Antragsfabrik“. Es ist zu erkennen, dass die Piraten damit einen Weg nehmen, den so noch keine andere Partei gegangen ist.

  12. Liz sagt:

    Wer will findet Wege – Wer nicht will findet Gründe.

    Es ist eine riesen Chance sich von allen anderen Parteien strukturell wirklich zu unterscheiden.

    Wenn so eine Chance nun kaputt geredet wird, dann spaltet das in der Tat.

  13. korbinian sagt:

    zu deinem gorbatschow-zitat fällt mir auch gerhard polt ein: „ich brauche keine opposition, denn ich bin bereits ein demokrat“ 🙂

    ansonsten kudos für den artikel. mir persönlich wird das auch alles viel zu sehr hochgekocht. ich bin ein großer verfechter von liquid feedback, aber für mich ist es erstmal nicht mehr als eine verbesserte version der antragsfabrik oder doodle. diese ansprüche sollte man anlegen, dann wäre glaub ich der streit nicht so verbissen.

    grüße, korbinian

  14. Martin sagt:

    Sorry, aber LQFB wird dazu führen, dass viele Piraten nicht mehr mitmachen, weil es ein System mit eingebauter Überwachung und jahrelanger Speicherpraxis politisch sensibler Daten ist. Das geht echt mal gar nicht. _Das_ ist unpiratig.

  15. Jens sagt:

    „Richtig eingesetzt kann es Gutes tun, falsch eingesetzt ist es besten Falls nutzlos“. Korrekt. Oder anders gesagt: Wir können damit nur gewinnen, wir haben dabei nix zu verlieren.

    Hä? Non sequitur.

    Da steht „bestenfalls“, nicht „schlimmstenfalls“. Naja, damit reihst Du Dich ja nur ein in die typischen „Argumentations“methoden der LQFB-Fanboys …

  16. aloa5 sagt:

    Niemand hat definiert das Liquid Feedback über etwas befindet. Entscheidungen werden weiterhin zwei Gremien der Partei treffen: Der Bundesvorstand und der Bundesparteitag. Dies zu ändern obliegt nur einem Organ – dem Bundesparteitag.

    Bisher hat das aber kein Bundesparteitag und es würde den Protagonisten gut zu Gesicht stehen, sich dieses Faktum einzugestehen und dementsprechend zu agieren.

    Dir würde es gut zu Gesicht stehen wenn Du etwas weitblickender wärst. Und es würde mich weniger ärgern wenn Du nicht erklären würdest das man mit Kritik warten solle bis ein Bundesparteitag anderes beschlossen hat. Das klingt etwas nach „wartet doch mit Kritik an ACTA, denn es ist ja noch kein Gesetz in Kraft getreten“.

    Daher an Dich, der Du offenbar schon inhaltlich dem lqfb-Kalb erlegen bist: Meinungsbildung geschieht VOR Abstimmungen ;).

    Und ansonsten empfehle ich diesen Link:
    http://wiki.piratenpartei.de/BE:Satzung#.C2.A7_11_LIQUID_DEMOCRACY

    (4) Die Organe sind gehalten, das Liquid Democracy System zur Einholung von Meinungsbildern zur Grundlage ihrer Beschlüsse zu nutzen. Das Schiedsgericht ist davon ausgenommen.

    (5) Die Organe der Partei sind angehalten, die Anträge, die im Liquid Democracy System positiv beschieden wurden, vorrangig zu behandeln.

    In Berlin dürfen damit Deine Vorstände welche die „Entscheidungen“ treffen das schon Mal gar nicht mehr ohne weiteres machen sondern müssen erst mal diese „unverbindlichen Meinungsbilder“ einholen und sind „gehalten“ dort positiv beschiedenes vorrangig zu behandeln.

    Das ist absichtlich an der Grenze des Parteiengesetzes verortet und übt Zwang aus. Ich halte es für Gesetzeswidrig und zusätzlich für am unteren Ende einer Skala verortet (die Überschrift lasse ich beiseite).

    Ja, lqfb ist ein goldenes Kalb. Die Kritik daran ist handfest. Ich habe in den letzten Tagen mit zwei uns allen bekannten und renommierten Piraten eine Unterhaltung geführt welche jew. die Aussage beinhaltete das das Wohl der Piratenpartei mit der Einführung von LQFB steht und fällt und das wir ohne das untergehen und die Partei dicht machen können.

    Nein, das ist nicht lustig. Diesen „Piraten“ geht das Tool inzwischen über jeden anderen Inhalt der Partei.

    Grüße
    ALOA

  17. tarzun sagt:

    @Jens: Du brauchst nur mal unter Deinen Kommentar zu schauen um festzustellen, das mangelndes oder bewußt falsches Textverständnis keine mir eigene Spezialität ist 🙂 Davon abgesehen, ja ich habe Benjamins Satz für mich „günstig“ interpretiert. Das liegt aber daran, das ich tatsächlich der Meinung bin, das ein Scheitern von LF es nicht „schlimmer“ machen wird als die Parteisituation jetzt ohnehin ist.

    @aloa5: Dann steht mit mir hier der Dritte vor Dir, der meint, das mit Liquid*Democracy* unser Erfolg stehen und fallen wird. Das muß am „Ende“ des Weges nicht notwendigerweise mit LiquidFeedback passieren, aber irgendwann und mit irgendwas sollte man halt mal anfangen und dann iterativ verbessern, wenn wir weiter auf das „perfekte Tool“ dafür warten klopft sich die Konkurrenz noch in 5 Jahren feixend auf die Schenkel wenn sie „Piraten“ hören. Aber das schrieb ich schon. Auch an Dich die Frage: Wo finde ich eine Liste aller Risiken von LF und wie soll sich die Partei ohne LD weiterentwickeln und eine Konkurrenz für andere und wählbar für den Bürger werden?

  18. tarzun sagt:

    Wo wir gerade beim Perspektiven zurecht rücken sind: Schaut Euch http://andipopp.wordpress.com/2010/08/03/der-aktuelle-rant/#comment-1440 an, und überlegt, wie LD Leuten wie Rudi Mitmachmöglichkeiten bieten kann, die diese sonst nicht hätten und ob das aktuelle gegenseitige Getrampel von Leuten die bereits mehr als nur einen Weg zum mitmachen haben nicht dem Großteil unserer Mitglieder diese Möglichkeiten weiterhin verwehrt.

    Ausnahmslos alle die hier diskutieren haben ML/Forum/Wiki/Twitter und offenbar genug Zeit auf allen diesen Wegen sich gegenseitig an die Gurgel zu springen. Wir „brauchen“ LF nicht zum Mitmachen, weil wir andere Möglichkeiten der Teilhabe haben und die offensichtlich auch sehr aktiv nutzen. „Rudi“ hat diese nicht, und „Rudi“ muss sich anhören, das er halt aufn Parteitag kommen muss wenn er was sagen will. Das finde ich unerträglich arrogant und wir haben offenbar schon lange vergessen, für wen wir hier Politik machen wollen.

    Und wenn LF als erstes und LD als großes Ganzes den „Rudis“ dieser Erde ermöglicht 15min Politik pro Woche mitzumachen, wo sie sonst außer „Beitrag zahlen und aller paar Jahre an der Urne ‚Liste P‘ ankreuzen“ nichts (mit)machen können, ja, dann sollten wir schleunigst LD angehen und einführen. Nicht für uns, sondern für Rudi.

  19. aloa5 sagt:

    Dann steht mit mir hier der Dritte vor Dir, der meint, das mit Liquid*Democracy* unser Erfolg stehen und fallen wird.

    Nein, das bleibt Personen wie Dir vorbehalten.
    Ich argumentiere nicht mit der Partei, weder mit Erfolg noch mit Misserfolg, sondern mit Demokratie und den Inhalten demokratischer Rechte sowie der Moral. Ob die Partei etwas davon hat ist mir schlicht und ergreifend egal. Ich bin nicht wegen der Partei in der Partei. Die Partei ist für mich kein Selbstzweck.

    irgendwann und mit irgendwas sollte man halt mal anfangen und dann iterativ verbessern,

    Man fängt nicht „irgendwie“ mit „irgendwas“ an wenn man etwas in die Satzung schreibt. Das ist ein flase flag analog einer Einführung eines Stop-Schildes mit dem Argument „das weitere sehen wir dann“.
    Man sieht schon jetzt an Lauers Argumentation das es lautet „wir haben schon so viel investiert“. Das geht analog der Argumentation der FDP im Bundestag welche beimn ePass exakt das gesagt hat.

    wenn wir weiter auf das „perfekte Tool“ dafür warten klopft sich die Konkurrenz noch in 5 Jahren feixend auf die Schenkel wenn sie „Piraten“ hören.

    Das ist wieder ein „die CDU/Grünen feixen wenn wir nicht LQFB bekommen“.
    Weißt Du wie gleichgültig denen ist in welcher Form wir was machen? Weißt Du wie egal den Bürgern das ist?

    Euer Wertekatalog ist völlig durcheinander geraten. Das Tool ist für Euch viel wichtiger geworden als die Inhalte welche womöglich mit irgend einem Tool einmal besprochen und durchgesetzt werden könnten. Ihr setzt sogar exakt diese Werte dafür aufs Spiel. Das ist die Art „verbranntes Land“ welches die Grundrechtsbewahrer um Schäuble und Co. gerne anwenden würden.

    Auch an Dich die Frage: Wo finde ich eine Liste aller Risiken von LF und wie soll sich die Partei ohne LD weiterentwickeln und eine Konkurrenz für andere und wählbar für den Bürger werden?

    Die Liste findet sich u.a. im GG und im PartG. Einen Blogbeitrag welcher sich mit LD, Wahlen @home und m.E. auch lqfb beschäftigt ist in Arbeit. Ich gehe dabei recht gründlich vor was die Quellenarbeit angeht.

    Ohne LQFB ist die Partei unwählbar und kann sich nicht weiterentwickeln. Das ist leider nicht nur Deine Meinung. Wenn wir LQFB nicht hätten könnten wir uns Eurer Meinung nach auflösen, wir hätten uns nicht einmal gründen sollen da damals lqfb noch nicht einmal in weiter Ferne sichtbar und damit das ganze Vorhaben Piratenpartei aussichtslos war.

    Die absurdität dieser Behauptung hat enorme Ausmaße. Daran kann man erkennen inwiefern Euch bei der Geschichte das Maß verloren gegangen ist. Wahrlich ein Goldenes Kalb mit einem Selbstzweck und ohne Inhalte.

    ALOA

  20. tarzun sagt:

    OK, es gibt also *keine* konkrete Liste, die ich *jetzt* nachlesen kann. Dann klink ich mich hier aus, eine Diskussion ohne gemeinsame Faktenbasis und ohne konkrete Kritikpunkte mit Leuten die regelmäßig das Konzept LiquidDemocracy und die Implementierung LiquidFeedback verwechseln ist müßig.

    Du kannst gern noch was drunter kleistern um das letzte Wort zu haben.

  21. aloa5 sagt:

    Das Du Dich ausklinkst wundert mich nicht wirklich. Aber da ich immer das letzte Wort habe und wir uns hier zudem in Benjamins Blog befinden gebe ich Dir wenigstens etwas zum Lesen mit auf den Weg:

    http://blog.benjamin-stoecker.de/index.php/2010/05/06/vom-partg-dem-minimum-an-demokratie-und

    Dazu war der Blogeintrag sicher nicht gedacht und ich denke Benjamin hat ihn auch schon längst vergessen. Trotzdem gut durchlesen. Will Dich ja nicht so ganz ohne im Regen stehen lassen. 🙂

    ALOA

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