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Okt
11

Rückblick #OM10 (4) – Liquid Feedback der Rücktritt und ich

Zerlegtes goldenes KalbHat für Missverständnisse gesorgt: Das goldene Kalb. (thraxil CC-BY-SA 2.0)

Während sich Teil 1, Teil 2 und Teil 3 meines Rückblickes sich auf Vorträge bezogen möchte ich diesmal auf ein Seitengespräch eingehen. Denn es ist normal, dass man bei so einer Veranstaltung wie der openmind 2010 mit anderen Piraten ins Gespräch kommt, es ist ja sozusagen sogar Teil der Daseinsberechtigung. Besonders schön ist es, wenn man mit Leuten sprechen kann, die man äußerst selten sieht.

Noch schöner ist es, wenn man dabei Missverständnisse ausräumen kann. So wurde ich von Gefion gebeten mir Zeit für eine Unterhaltung mit Simon „Pfadintegral“ Weiß zu nehmen. Simon gehört dem Landesverband Berlin an und bezeichnet sich – nach seiner Bio auf Twitter – als LiquidFeedback-Extremist.

Wir haben also auf der Openmind miteinander geredet und mir ist da klar geworden, dass schon es definitiv zwischen mir und anderen Missverständnisse oder zumindest Kommunikationsdefizite gab. Scheinbar war nicht alles, was ich durch den Äther geblasen habe so leicht zu verstehen wie ich mir das erwünscht hätte. Ich möchte daher die Gelegenheit nutzen um ein, zwei Dinge gerade zu rücken, da das Problem sich sicherlich nicht nur auf Simon beschränkt.

Vom goldenen Kalb

Kurz vor meinen Rücktritt habe ich unter dem Titel Vom Tanz ums goldene Kalb “Liquid Feedback” über LQFB gebloggt. Scheinbar wurde der Blogpost so aufgefasst, dass ich Liquid Feedback gerne verstümmeln würde oder sogar gar nicht einführen möchte. Das war definitiv nicht so gemeint, was meiner Meinung nach auch deutlich dort steht:

Und genau weil Liquid Feedback als heiliges Kalb so schädlich ist – ja nur schädlich sein kann – wäre es angemessen es schlicht zu schlachten und auf das zurück zu stutzen was es sein sollte. Kalbsfleisch soll lecker sein hab ich gehört – Axt, Grill und Silberbesteck stelle ich gerne zur Verfügung.

Zugegeben, ich habe mich hierdurch an dem Bild des heiligen Kalb etwas vergangen. Aber das man das Bild das man verwendet über strapaziert ist jetzt auch nicht absolut unüblich!

Wichtig ist vor allem dieser Teil: „wäre es angemessen es schlicht zu schlachten und auf das zurück zu stutzen was es sein sollte“. Vorher erkläre ich durchaus, wie ich Liquid Feedback als angemessen empfinde. Mein Problem ist vor allem gewesen, dass viele das System überbewertet haben, so wurde es zum Beispiel als Entscheidungssystem dargestellt oder als Untergang des Abendlandes. Die Diskussion um Liquid Feedback war absolut überzeichnet – und genau das war mein Problem.

Mittlerweile hat sich das ja glücklicherweise gelegt. Ich muss dafür Wolfang Dudda meinen vollen Respekt aussprechen, denn dass Frieden herrscht ist vor allem sein Verdienst. Das die Beruhigung dieses Themas so funktionieren kann, hatte ich zum damaligen Zeitpunkt, in der aufgeheizten Stimmung, für nicht möglich gehalten.

Von meinem Antrag zur Einführung von Liquid Feedback

Der zweite Text, der wohl anders interpretiert wurde als es von mir gedacht war, war meine Beschlussvorlage zur Einführung von Liquid Feedback.

Die Instanz wird mit folgenden Zusatzbestimmungen gestartet:

  1. Datenbankdump: Der Download eines Datenbankdumps wird nicht angeboten
  2. API: Die API wird angeschaltet
  3. Nicht angemeldeten Benutzern werden die Daten angezeigt, die keine Verbindung zu einem Benutzer haben. die Autoren der Initiativen werden nicht angezeigt.
  4. Löschung aller Daten: Alle Zuordnungen zu Personen werden nach dem Parteitag im November ausnahmslos gelöscht. Dieses wird in den Nutzungsbedingungen zugesichert.
  5. Alle Administratoren die Zugang zum System erhalten müssen vor dem Start eine Datenschutzvereinbarung unterzeichnen, mit der sie deutliches Verständnis zeigen, dass sie eine Weitergabe von Daten außerhalb des vereinbarten Rahmen der Partei großen schaden zufügen kann.
  6. Es werden nur Mitglieder eingeladen die stimmberechtigt sind
  7. Es werden 2 Verfahren angeboten: Eines zur Einreichung zum Parteitag (Einreichen per Mail wird immer noch gestattet sein). Bei dieser endet die Diskussionsphase automatisch 4 Wochen vor dem Parteitag. Bei jedem Antrag wird Rechtzeitig ein Meinungsbild eingeholt um den Parteitagsbeschluss der Vorbereitung mit Liquid Feedback Rechnung zu tragen. Das zweite Verfahren hat eine Länge von 2-3 Wochen und dient zur Einholung von Meinungsbildern.

Ich gebe zu, dass dieser Antrag extrem missverständlich geschrieben ist. Ich habe ihn in Eile zu Wiki gebracht und eigentlich war gedacht, ihn Ausführlich in der Vorstandssitzung zu erklären und zu diskutieren. Leider kam es damals bekannterweise miminal anders – aber ich kann die Erläuterung natürlich gerne jetzt nachholen.

Punkt 1 und Punkt 6: Ich denke es ist klar, was dort fachlich steht. Was nicht da steht: Die Punkte sollten gar nicht standhalten – sie waren Verhandlungsmasse. Ich bin hier gezielt über das was ich erreichen wollte hinaus geschossen.

Punkt 5: Hier wollte ich ein Problem umgehen, dass ich am Horizont aufkommen sah. Ein Administrator hatte sich hier nicht gerade glücklich geäußert. Er wurde von einigen Mitgliedern so verstanden, dass für den Fall das Liquid Feedback nicht so startet wie gewünscht, die Datenbank sicher regelmäßig auch auf Wikileaks landen würde. Ich bin mir bewusst, dass er das nie so gemeint hatte, aber er wurde leider so verstanden. Der Absatz sollte daher zum Ruhigstellen der LQFB Kritiker dienen, ohne den Adminstrator austauschen – was der Rest vom Bundesvorstand am Ende ja beschlossen hatte.

Punkt 3 und Punkt 7: Ich gebe zu, dass sich der Sinn dieser Punkte nicht erschließt, wenn man nicht den eigentlichen Sinn des gesammten Antrages kennt: Er sollte die Kriegstelle befrieden und LQFB bis zum BPT in Chemnitz retten. Geplant war, dass der BPT in Chemnitz dann – nach kurzer Diskussionsphase – die Parameter für LQFB entgültig festlegt und anschließend eine neue LQFB Instanz mit erneuter Einladung gestartet wird.

Das wäre mein Versuch gewesen die eklatante Streitlinie, die sich zu dem Zeitpunkt durch unserer Partei zog, zu schließen. Mein Gedanke war, dass ein ausführlicher BPT-Beschluss, der weit spezifischer gewesen wäre als der vorhandene, klare Tatsachen geschaffen hätte.

Ja, LQFB läuft derzeit auch relativ friedlich, was ich allerdings zu dem Zeitpunkt nicht so erwartet hatte. Die Frage die man sich Stellen könnte ist auch, ob es ohne die Eskalation die passiert ist, derzeit auch so friedlich laufen würde. Aber dieses „Hätte-Wäre-Wenn-Spielchen“ wäre jetzt – zugegebenermaßen – eher mühsam als sinnvoll.

Was ich allerdings unbedingt noch herausstellen möchte, ist, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch war, dass ich nach der Vorstandssitzung zurückgetreten wäre. Es gibt viele Tatsachen, die mich zu dem Schritt bewogen hatten. Mir persönlich war allerdings auch bewusst, dass im Falle eines „Kompromisses“ für LQFB ein Sündenbock sowohl für die „Liquid Feedback Extremisten“ als auch die „Liquid Feedback Hasser“ hilfreich gewesen wäre. Durch den Rücktritt genau nach der Vorstandssitzung hätte ich mich damit dafür regelrecht angeboten.

Eine Email – Ihr Ursprung und Schuldzuweisungen

Vielleicht ist jetzt klar geworden, dass die nette E-Mail die ich bekam meinen Schritt nur verschoben aber nicht verursacht hat. Leider ranken sich scheinbar um diese nette E-Mail einige Gerüchte. So scheint es Menschen zu geben, die der Meinung sind ich würde denken – oder gar beweisen können – dass sie aus dem Kreise der LQFB-Befürworter des LV Berlin gekommen ist. Beides ist nicht der Fall. Weder „verschleiere“ ich Beweise noch habe ich eine Vermutung woher diese Mail kam. Es war auch nicht die erste Mail die ich in dieser Richtung erhalten habe, auch wenn sie bisher die heftigste war. Wer die Schuld sogleich nach Berlin schiebt, macht es sich zu einfach.

Ja ,ich gebe zu relativ zeitnah nach der E-Mail einen gedankenlosen Kommentar in einem Blog hinterlassen zu haben. Der Kommentar war eigentlich sarkastisch gemeint und ich wollte eigenlich nie, dass die Details der E-Mail öffentlich so breit bekannt werden. Das war leider ein Fail von Wolfgang und wirklich nicht so von mir gewollt, weil ich gewusst habe, dass die Details nur noch mehr Hass und Aggressionen schüren. Ich hatte explizit um stillschweigen gebeten.

Für den Kommentar in dem Blog möchte ich mich dennoch entschuldigen. Ich war beim schreiben emotional aufgewühlt und habe nicht darüber nachgedacht. Vor allem habe ich nicht darüber nachgedacht, wie der Kommentar von Anderen verstanden werden könnte. Erleichtert wurde das Missverstehen auch noch dadurch, das der Sarksamus in keinster Weise gekennzeichnet wurde.

Diesen Kommentar abzuschicken war ein ganz klarer Fail meinerseits.

Das ich emotional aufgeladen war, hat man auch in der Vorstandssitzung anschließend bemerkt, in der ich einen Rant abgelassen habe.Wie in der Aufzeichnug der Vorstandssitzung ab Minute 46 nachgehört werden kann, war ich extrem geladen. Dabei habe ich meine Wörter nicht präzise gewählt.

Während ich am Anfang noch von „Gewisse Leuten“ redete, sprach ich später pauschal vom „Liquid Feedback Team“. Gemeint habe ich dabei allerdings nur Teile des Teams – welche Personen genau sollte mitlerweile hinlänglich bekannt sein. Ich möchte mich daher bei den Personen entschuldigen, die ich mit über diesen Kamm geschert habe.

Ich hoffe, dass ich hiermit einige Missverständnisse aus der Welt räumen konnte und danke Simon dafür, dass er mit mir auf der openmind offen und ehrlich geredet hat, so dass ich mir der Probleme bewusst wurde.

Im Teil 5 meines Rückblicks werde ich auf die Freiheit in der Politik eingehen und auf die Vorträge von Maha und Pavel.

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