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Nov
02

Brückentechnologie übersetzt: Ineffektiv, schädlich, unötig – aber machen wir trotzdem!

Brücke mit Zerstörtem PfleilerBrückentechnologien stehen auf schwachen Pfeilern (Bild von Phillip Capper unter CC-BY)

Manchmal wundert man sich schon wie schnell Politiker ihre eigenen neuen Buzzwords entzaubern. Schwarz-Gelb bezeichnet schon die ganze Zeit die Atomkraft als eine Brückentechnologie – wobei eigentlich allen klar ist, dass wir derzeit gar keine Brücke in der Stromwirtschaft benötigen – wir haben derzeit zu viel Strom.

Was einmal klappt, dass klappt doch sicher auch ein zweites Mal sagt sich da der Null-Acht-Fünfzehn Konservative und übertragt das Wort auf einen neuen Zusammenhang. So seien die Netzsperren à la Zensursula eine Brückentechnologie meint Thomas Jarzombek.

Man könne mit ihnen ja die Zeit überbrücken, bis der Schmutz von den Servern gelöscht sei. Vor allem könne man mit den Stoppschildern doch die Zeit überbrücken, bis sich die Politik bequemt hat, internationale Abkommen über die Löschung von Inhalten auszubaldovern.

Dass diese Abkommen gar nicht benötigt würden, wenn die Behörden anstatt eines Faxes eine E-Mail an die Dienstanbieter im Ausland senden würden, schreibt er selbst. Aber es nicht von Interesse, dass es jetzt schon möglich ist den Schmutz schnell zu tilgen – Man muss dazu eine E-Mail schreiben, das ist etwas, womit eine Behörde nun wirklich unmöglich umgehen kann. Und natürlich macht es keinen Sinn die Behörde der Realität anzupassen, wo kämen wir da hin!

Nein, die Realität muss an die Behörde angepasst werden, und deswegen wird dann gleich mit dem nächsten Buzzword angedeutet, das am Ende der Brücke stehen soll: „Schengenraum“. Wenn wir das internationale Abkommen erst einmal hätten, dann könnte – unter Umständen – der Zeitpunkt gekommen sein, in dem man die Sperren in diesem „Schengenraum“ nicht mehr braucht.

Die Wortwahl ist dabei extrem entlarvend: Der Schengenraum ist ein Zusammenschluss von Ländern, in denen man als Einwohner ohne Passkontrolle an den Grenzen zwischen den Ländern bewegen kann. Nach dem man also die Grenzen im Netz künstlich über eine Zensurinfrastruktur aufgebaut hat, reißt man sie dann unter Freunden und Gleichgesinnten wieder ein.

Das zeigt, dass die Kritik am ganzen System nicht verstanden wurde. Löschen von Kinderpornograhpie ist immer noch kein Problem und der meiste Inhalt kommt nach wie vor von amerikanischen Servern. Wie wäre es eigentlich mal dort nachzuhaken. Warum wird das Ganze in Amerika eigentlich so schlecht Verfolgt? Warum zeigt hier Europa mal nicht die harte Kante und baut Druck auf und zeigt, dass das so nicht geht. Die USA erpressen sich doch stetig unsere Daten – wie zum Beispiel bei SWIFT – da werden die doch wenigstens den Kampf gegen Kinderpornographie führen können.

Aber lieber macht man Placebopolitik – als „Brückentechnologie“ ist das ja akzeptabel. Da kann man auch ausblenden, dass sobald die Infrastruktur erst einmal da ist, es schnell um mehr gehen wird. Da müssen dann ganz schnell auch die Naziseiten verschwinden – und anschließend jegliche Pornographie – im Namen des Jugendschutzes! So viel muss man am JMStV mittlerweile nicht mehr ändern, damit es gesetzliche Realität ist.

Und deswegen muss ich sogar zustimmen: Das ganze ist eine Brückentechnologie! Es ist eine Brücke in chinesische Verhältnisse. Und anständige Demokraten wandeln nicht auf solchen Brücken, sie reißen sie nieder Herr Jarzombek.

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