«

»

Nov
19

Vom Bundesparteitag und großen Erwartungen

Der zweite Bundesparteitag der Piraten im Jahre 2010 steht vor der Tür und die Partei ist dementsprechend aufgewühlt und beschäftigt . Natürlich habe ich meine Piraten-Pflicht erfüllt und versucht, mich so gut es ging durch die Antragsflut zu kämpfen und mich vorzubereiten.

Wer sich über mein voraussichtliches Stimmverhalten informieren möchte, der kann es sich gerne herunterladen. Ich bitte dabei zu beachten, dass hier nichts in Stein gemeißelt ist, ich kann mich durchaus durch Einlassungen auf dem Parteitag überzeugen. Was ich „Müllern“ werde habe ich noch nicht endgültig entschieden, aber folgende Gruppen stehen auf meiner Liste:

  • Bildung & Wissenschaft 6
  • Familie, Gender & Jugend 1
  • Internet & Medien 5
  • Urheberrecht 1
  • Werte & Menschenbild 3

Aufgefallen ist mir, dass ich bei einem Großteil der Anträge voraussichtlich mit Nein votieren werde. Gut, manche Anträge sind schrecklich formuliert, aber ich war dann doch etwas überrascht, sehe ich mich persönlich nicht als „harten Kerni“. Dieser Umstand hat mich dann zum Nachdenken gebracht: Wann ist Chemnitz eigentlich ein Erfolg?

Nun, ich möchte davor warnen, dem Bundesparteitag mit in der Hoffnung zu begegnen, dass dort extrem viele Entscheidungen fallen. Es wird wohl eher das Gegenteil passieren und das ist nichts Verwerfliches. Bei einigen Themenbereichen wie Werte & Menschenbild genügt bis zum nächsten Parteitag auch ein Stub im Programm. Die langen und ausführlichen Anträge können nach einer guten Debatte auf dem Parteitag auch in eine Revision gehen – um konsensfähig auf dem nächsten beschlossen zu werden.

Wichtig ist nicht die Quantität der Beschlüsse in Chemnitz, sondern viel mehr, dass wir dort das schaffen, wofür wir in Bingen keine Zeit hatten. Uns fehlt immer noch das Event auf dem wir alle sehen können: Wir mögen unterschiedlich sein, wir mögen verschiedene Meinungen haben, wir mögen alle manchmal einfach etwas stur sein und wir sind nicht dennoch sondern gerade deswegen eins – eine Partei, knallhart demokratisch.

Was es dazu in Chemnitz bedarf ist etwas Kompromissbereitschaft und viele Diskussionen – viele Beschlüsse müssen es nicht sein. Wichtig ist, dass die Leute von Chemnitz nach Hause fahren und sagen: Hey, hier wird gearbeitet, hier bestehen mehr Gemeinsamkeiten als ich dachte – hier bin ich richtig, das ist meine Partei!

Unsere Partei hat nach all den Streitereien, nach all den Rangeleien und Kämpfen über das Internet, diesen zweiten Geburtstag nötig und wir haben ihn uns alle redlich verdient. Und deswegen erwarte ich auch von allen Anwesenden nichts weiter als ihren vollen Einsatz, Fairness, Streitlust und Kompromissbereitschaft. Ich erwarte nichts weiter als die Herzen und den Verstand von 1000 Freibeutern – damit unser Kampf für die Bürgerrechte und die Freiheit des Einzelnen in eine neue Runde geht.

Lasst uns Chemnitz zum ersten Schritt auf dem langen, steinigen Weg an die Macht machen – zur Geburtsstunde der Piratenpartei 2.0.

Ähnliche Artikel

1 Kommentar

  1. xwolf sagt:

    Viel Erfolg in Chemnitz !

    Als notorischer Reisemuffel werde ich nicht mit dabei sein.
    Ich hoffe mal, der BPT wird konstruktiv und Begriffe wie „Vollies“ und „Kernies“ werden hoffentlich bald wieder verschwinden.
    (Ob der einzelne „Kernie“, der dieses Begriffe einführte, sowie die anderen, die es dann weitertrugen eigentlich daran gedacht haben, daß eben solche Abgrenzungen genau dasselbe sind, wie sie in anderen Parteien auch entstanden sind: Stichworte: „Fundies“ und „Realos“, „Rechter Flügel“, „linker Flügel“; …. Wollten die „Kernies“ nicht anders sein? Aber dann kommen wir plötzlich doch wieder in die Altparteienschiene?)

Schreibe einen Kommentar