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Dez
02

Freedom of innocent press in danger

Bild von der Sueddeutschen ZeitungDurch die Pressefreiheit gibt es lesenswertes
(Bild von Thomas AngermannCC-BY-SA)

Frau Freiherrin von und zu Guttenberg ist Vorsitzende des Kinderschutzvereins Innocence in Danger. Nun ist es natürlich erst einmal gut, wenn jemand mit so einem Bekanntheitsgrad sich für eine gute Sache einsetzt. Schließlich – und so ist das eben – öffnen gerade bekannte Namen Türen.

Skeptisch gegenüber dem gemeinnützigen Verein von Frau Guttenberg sind Netzaktivisten allerdings schon seit einiger Zeit, fällt er doch durch extremes Lobbying für Einführung von Netzsperren, Verschärfung der Strafbarkeit des sogenannten Cyber-Grooming und für eine möglichst umfangreiche Vorratsdatenspeicherung auf.

So spielte der Verein bei der Zensursula-„Gesetzgebung“ eine Rolle. Nicht zuletzt war mit dem damaligen mit zuständigen Wirtschaftsminister, dem Freiherren von und zu Guttenberg, nun ein unübersehbarer kurzer Draht vorhanden. Auch bei der Ausarbeitung der Censilla-Richtlinie (Politology-Podcast-Folge) hat der Verein seine Finger im Spiel. Zuletzt fiel Frau Guttenberg und der Verein mit der Unterstützung der Fernsehsendung Tatort Internet auf.

Wer sich jetzt fragt, um was sich der Verein denn noch so kümmert außer die Dämonisierung des Internets und den Einsatz für härtere Strafen für sogenannte „Pädokriminelle“ kann sich die Ziele des Vereins mal zu Gemüt führen – viel mehr ist dort nicht zu finden. Das ist auch nicht sonderlich verwunderlich, ist der Verein doch nach einem Treffen der UNESCO über das Thema „Child exploitation, pornography involving children and pedophilia on the Internet: a global challenge“ gegründet worden.

So viel zur Vorgeschichte. Was das mit der Pressefreiheit zu tun hat? Nun, mittlerweile haben auch Journalisten recherchiert und sich gefragt was der Verein so treibt. Offenkundig sind sie auf eine Wand des Schweigens und der Intransparenz gestoßen. Wofür überhaupt eigenes Geld investiert wurde konnte kaum gefunden werden – geschweige denn in den Massen in denen Frau Guttenberg das Geld – vor allem Dank ihrer Bekanntheit – einsammeln dürfte.

Ja, dürfte. Denn es ist auch unbekannt wie viel Geld der Verein denn einsammelt oder gar von wem. So könnte es nämlich gut sein, dass die Verwertungsindustrie den Verein massiv unterstützt in der Hoffnung, dass eine Zensurinfrastruktur – eingeführt zum Schutz der Kinder – am Ende auch zum Schutz des Urheberrechts eingesetzt wird. Wer das für unglaubwürdig hält, dem sei als Lektüre Christian Engström ans Herz gelegt: Child pornography is great

Nun, ungesetzlich wäre das alles freilich nicht, aber ein Geschmäckle hätte es, irgendwie. Vor allem weil andere Kinderschützer den Verein genau wegen der Konzentration auf das Internet kritisieren, denn laut Studien spielt das Internet bei Kindesmissbrauch kaum eine Rolle. Diese widerlichen Dramen spielen sich hauptsächlich im nähereren Familien- und Bekanntenkreis ab.

Man kann natürlich auf solche Vorwürfe in vielerlei Hinsicht reagieren – mit mehr Transparenz zum Beispiel. Gerade wer für die Vorratsdatenspeicherung eintritt, der sollte doch der Argumentationskette „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten!“ folgen können. Der Verein entschied sich allerdings zu etwas Anderem, nämlich zu einer Anzeige!

Die Darstellung und die kritischen Nachfragen der Journalisten sind nämlich eine Kampagne und tendenziös und sind damit „verleumderische Aussagen“. Da wird die Pressefreiheit doch mal hochgehalten – wo kämen wir denn hin, wenn diese Journallie schreiben darf was sie will! Nein, das sollten doch bitte alle so wie die Bild machen, da ist noch Respekt vorhanden!

Ich finde, es ist schon derbe für einen Verein auf den Worten „Kampagne“ und „tendenziös“ so herum zu reiten, wenn man selbst so eine rechtlich zumindest fragwürdige Fernsehsendung unterstützt. Hinzu kommt, dass das ganze Sendeformat darauf aufgebaut ist eine tendenziöse Kampagne zu sein. Da kann einem vor Kopfschütteln schon fast der Kopf abfallen: Wer so mit Betonsteinen bewaffnet ist, sollte doch bitte das Glashaus meiden.

Gut, das Verhalten führt am Ende zum Glück zu dem sogenannten Streisand-Effekt. Bleibt noch was zu sagen? Ach ja: Getroffene Hunde bellen – und „Innocence in Danger“ bellt sich gerade die Seele aus dem Leib 😉

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1 Kommentar

  1. Artur Felling sagt:

    Ich habe nichts da gegen wenn ich Online gehe und mein Geburtsdatum beim einlocken angeben muss.
    Ich finde es aber eine Frechheit wenn der Start uns immer mehr kontrolliert.Die ehemalige DDR hat sich aufgelöst aber ganz Deutschland und jeder Bürger wird immer mehr überwacht und kontrolliert.Die Grundgesetze spielen hierbei schon keine rolle mehr.
    Ich würde erst mal da mit anfangen das die Sex Seiten in Web werschwinden und nicht wenn wann online geht sich tausend Sex Seiten auf tun.Und wer auf solche Seiten möchte muss sich eben Ausweißen.

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