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Jan
22

Herr Maschmeyer, der AWD, die ARD und die Pressefreiheit

Bild von Carsten Maschmeyer
Geht gegen Berichterstattung über ihn vor
Carsten Maschmeyer (Bild: SiebbiCC-BY)

Carsten Maschmeyer ist eigentlich die Sorte von Mensch, die ich normalerweise mit Verachtung und Ignoranz behandle. Warum? Nun, er hatte einen kometenhaften Aufstieg. Nein, das alleine ist noch keine üble Sache, aber mir war schon lange klar, wie er das erreicht hat: In dem er andere ausnutze und benachteiligte.

Aber vielleicht für alle mal von Anfang an. Herr Maschmeyers Lebensleistung und Grund für seinen schönen Reichtum ist die Gründung und der Aufbau eines „Finanzdienstleisters“ mit dem schönen Namen AWD (Allgemeiner WirtschaftsDienst). Nein, auch das ist kein Verbrechen aber für mich schon ein Grund Verachtung zu hegen. Warum? Nun, sagen wir die Art und Weise wie AWD und Maschmeyer so erfolgreich wurden.

Es ist ja nicht so, als wären Finanzoptimierung und der Verkauf von Investments und Versicherungen eine neue Idee oder gar ein neues Geschäftsmodell gewesen wären, mit der man sich den kometenhaften Aufstieg ähnlich wie bei Google oder Facebook erklären könnte. Dennoch wuchs die Fimra rasant aufgrund von aggressiven überzeugenden Verkaufsgesprächen. Wird schon faszinierender, oder? Es kommt noch besser. Nicht jedem meiner Leser mag das noch bewusst sein, aber Gerhard Schröder war seinerzeit nicht als Kanzlerkandidat der SPD gesetzt. Ja genau der Kerl, der von Bild, Bams und Glotze faselte und ständig in Macho-Manier Zigarren rauchte. Vorzugsrecht auf die Kanzlerkandidatenschaft und damit den fast sicheren Einzug ins Kanzleramt – Der Dicke a.k.a. Helmut Kohl war nach 16 Jahren doch stark angeschlagen – hätte eigentlich Oskar Lafontaine gehabt.

Aber es kam anders. Schröder gewann die Landtagswahl Niedersachsen extrem überzeugend und es gab eine Anzeige in vielen deutschen Zeitungen: „Der nächste Deutsche Kanzler muss ein Niedersachse sein“. Wisst ihr wer die bezahlt hat? Unser lieber Herr Maschmeyer. Er half im SPD Wahlkampf in Niedersachsen bestens mit. Warum das wichtig ist? Erinnert ihr euch noch an die Herren Rürup und Riester? Die, die unter Schröder Staatsgelder rausgeschmissen haben, damit genügend dumme unwissende sich eine private Rentenversicherung holen? Nun, dass AWD als „Finanzdienstleister“ mit überzeugender Türvermarktung und Altersvorsorge im Gepäck davon profitiert hat ist offenkundig, oder? Jaja das stinkt nach Korruption riecht nach der Rose des Zufalls. Aber die Gier der Menschen und der Welt ist groß genug. Und wenn der Staat Geld dazu gibt setzt bei vielen der Verstand aus. Nicht nur bei der breiten Bevölkerung sondern auch gerne bei den Medien. Das war bei der Abwrackprämie so, das ist auch bei der Altersvorsorge so.

Aber das ist nicht das einzige was man bei AWD kritisieren kann. So scheinen AWD-Berater – die Provision im Hinterkopf – falsch und sehr kreativ beraten zu haben.

Ich denke der Nebel lichtet sich so langsam, warum und wieso ich für den werten Herrn Maschmeyer ungefähr so viel übrig habe wie für einen Gullideckel aus dem man die Kanalisation bereits riechen kann. Das oben Beschriebene war mir schon einige Zeit bekannt, aber wurde vor kurzem wieder in mein Bewusstsein gelenkt, da die ARD eine Dokumentation über Maschmeyer brachte. Wie zu erwarten war, schnitt er dabei natürlich nicht sonderlich gut ab. Für Leute, die die Story noch nicht kennen ist extrem sehenswert:

Immer wieder in der Doku zu sehen: Der liebe Herr Maschmeyer. der in der Blüte seiner Jugend sagt:

Wenn sie im Frühling duftende Rose haben wollen, müssen sie im Herbst stinkende Jauche draufkippen – und das komische ist: Je stärker das stinkt desto schöner duftet das hinterher.

Nun, Herr Maschmeyer hat jetzt Millionen blühende und super duftende Rosen. Wie groß die Menge an Jauche war, die er zum Züchten brauchte, überlasse ich der Phantasie meiner geneigten Leser.

Warum ich darüber jetzt blogge? Nun, Herr Maschmeyer hat ein Problem damit, wenn die Presse über ihn so ausgewogen ähhh wahrheitsnah ähhh tiefgründig ähhh fragwürdig berichtet. Und genau deswegen geht er jetzt – natürlich vollkommen zurecht – auch dagegen vor. Unabhängige Berichterstattung wo kommen wir da hin?

Maschmeyer hat nicht nur Presseanwälte in Marsch gesetzt, er hat den bekannten Hamburger Strafrechtler Gerhard Strate engagiert, um dem Autor des Films nachzusetzen. Der Reporter Christoph Lütgert und die Redaktion des NDR-Magazins „Panorama“, die den Film betreut hat, müssen dem Finanzmagnaten mit ihren Recherchen mächtig auf die Füße getreten sein. Nun schlägt er zurück, mit allen Mitteln.

Womit? Nun die FAZ berichtet, dass zum Beispiel der §241a StGB ins Spiel gebracht wird. Da geht es um politische Verfolgung!

Wer einen anderen durch eine Anzeige oder eine Verdächtigung der Gefahr aussetzt, aus politischen Gründen verfolgt zu werden und hierbei im Widerspruch zu rechtsstaatlichen Grundsätzen durch Gewalt- oder Willkürmaßnahmen Schaden an Leib oder Leben zu erleiden, der Freiheit beraubt oder in seiner beruflichen oder wirtschaftlichen Stellung empfindlich beeinträchtigt zu werden, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Starker Tobak. Ich wette Herr Maschmeyer wäre auch gerne in Ungarn. Da darf die Presse neuerdings ja nicht mehr so unausgeglichen Berichten und einfach Unternehmer politisch verfolgen. Da wir aber noch in Deutschland sind, zieht man lieber alle Mittel:

Doch nicht nur dem Präsentator der Maschmeyer-Sendung wird nachgestellt, auch die Autoren der Beiträge – des Films, der jetzt im Ersten lief und eines Vorgängerstücks beim NDR – werden bedrängt. Sie bekamen Abmahnschreiben – zugestellt an ihre privaten Adressen –, und sie bekamen Anrufe von Wirtschaftsauskunfteien, die ganz detailliert nach ihren Beschäftigungsverhältnissen fragten. Da scheint also noch mehr geplant und im Busch zu sein.

Die Ausstrahlung wollte man mit einer wahnwitzigen juristisch nicht haltbaren einstweiligen Verfügung unterbinden:

Vor Gericht geht der Streit um die ursprüngliche Reportage derweil weiter. Ein Mann, der Maschmeyer beim Betreten der ZDF-Spendengala „Ein Herz für Kinder“ begleitet hatte und dabei gefilmt wurde, wollte die Ausstrahlung dieser Filmsequenz verbieten lassen. Er stellte Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung beim Landgericht Augsburg – und unterlag.

Womit wir beim Grund währen warum ich darüber blogge. Mein kleiner Teil um Herrn Maschmeyer mal die liebe Barbara vorzustellen mal vorzustellen. Wer meint die Pressefreiheit anzugreifen, hat das verdient. Mit Rosen oder mit Jauche, je nach dem wie er es lieber hat – ist mir egal.

Was bleibt zu sagen? Nun, ich kann die Jauche, die er brauchte, immer noch riechen, leben sie damit Herr Maschmeyer. Jup, das klebt wie Pech an den Fingern. Und was einmal an den Fingern klebt kann für eine aufmerksame Nase nicht übertüncht werden – auch nicht mit den schönsten Rosenduft. Ob ich schadenfroh bin? Sicherlich! Sind die Rosen auf der Jauche, Herr Maschmeyer 😉

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