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Jan
13

Sieben Thesen zum Urheberrecht

Der öffentliche Diskurs um das Urheberrecht nimmt täglich an Fahrt auf. Die Schlacht um die Deutungshoheit von Verwertungsrechten an Immaterialgütern und geistig kreativen Schöpferleistungen wird auf dem Feld der Unterhaltungsbranche ausgetragen und das Urheberrecht als Alibi vorgeschützt. Die einstmals allmächtigen Traumfabriken kämpfen gegen das Marktversagen und das Zusammenbrechen der eigenen Paradigmen mit unsportlichen Mitteln: Der weitverzweigten Lobby und der Instrumentalisierung des Urheberrechts für die eigenen Wertschöpfungsinteressen. Doch Urheberrecht und Verwertung müssen strikt getrennt werden, um der Debatte um den größten gesellschaftlichen Wandel unserer Zeit gerecht zu werden, dem digitalen Wandel. Hierzu möchte ich sieben Thesen zur Diskussion in den Raum werfen.

These 1

Digital speicherbare Geistesleistungen und informationelle Schöpfungen dienen bereits heute als immaterielle Almende. Sie weisen einer der Bildung und Teilhabe wechselseitig verpflichteten und verpflichtenden Gesellschaft den Weg in die Zukunft.

These 2

Die Möglichkeiten der vernetzten Welt als Schlüsseltechnologie des kulturellen und gesellschaftlichen Fortschritts bedürfen einer dringenden Neufassung und Anpassung des Urheberrechts. Dies ist eine wichtige Aufgabe um die Rahmenbedingungen für zukünftige Märkte und Geschäftsmodelle auf eine sichere Grundlage zu stellen.

These 3

Die Adaption des Urheberrechts an verschiedene Medien und Vertriebswege verlangt eine genaue Unterscheidung der Interessen, insbesondere bezogen auf die Neugewichtung und flexible Verkürzung von Schutzrechten und Fristen, Nutzung- und Auswertungszeiträumen.

These 4

Sie benötigt eine klare Unterscheidung zwischen den Trägermedien der Information und der Ausweitung von bisherigen Schranken aber auch die Ächtung von standardisierten Abmahnungen und stufenweisen Verwarnmodellen.

These 5

Das gestiegene Interesse des Benutzers an freier Verfügbarkeit, Creative Commons, Open Source kollidiert mit den Ansprüchen von Verwertern, Verwertungsgesellschaften und Medienkonzernen. Die Lösung der Interessenkonflike um Urheberrechte im Internet muss zu Gunsten der Schwächsten – Urheber und Konsument – ausgestalten werden.

These 6

Dem häufig von Verbänden beschworenen strukturellen Marktversagen im Internet steht eine horizontale und vertikale Diversifizierung eines expandierenden Longtail-Marktes gegenüber, der sowohl den Urhebern als auch den Nutzern zu Gute kommt. Diesen neuen kleinteiligen Individualmarkt gilt es zu fördern.

These 7

So sehr wie Technologien des Internets von Heute vor wenigen Jahren unvorhersehbar waren, so wenig können verbindliche Aussagen über die Technologien der nächsten Jahre getroffen werden. Eine flexible und anpassungsfähige Beschreibung des Urheberrechts von Morgen schafft Freiräume für Zukunftstechnologien und gesellschaftliche Teilhabe.

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